gerichtetes Licht vom Systemblitz

by Neil vN on October 25, 2007

Wenn Fotografen anfangen ihren Blitz von der geradeaus nach vorn gerichteten Position weg zu benutzen, stellen sie meistens den Blitzkopf in einem Winkel von 45° oder 90° nach oben. Der Gedanke dahinter ist den Blitz von der Decke zu bouncen. Auch wenn das in den meisten Fällen eine Verbesserung im Vergleich zum Frontalblitzen bedeutet, ist es meistens nicht ideal. Das kann man noch verbessern.

Wenn man darüber nachdenkt, wie im Studio das Licht aufgebaut wird, wird man selten sehen, dass das Licht direkt an der Decke über dem Objekt hängt. Oberlicht ist nicht so schmeichelnd, wie das Licht, das aus einem bestimmten Winkel auf das Objekt kommt. Aus dem gleichen Grund: Warum sollte man wollen, dass das gebouncte Licht direkt von oben kommt?

Der Untertitel dieses Beitrags sollte lauten: Du brauchst nicht wirklich (d)einen Lightsphere.
(Oder wie auch immer der Lieblingslichtformer dieses Monats heisst.)

Man muss die Richtung des Lichts sorgfältig bedenken. Das ist einer der Bereiche, in denen wir uns als Fotografen vom Rest abheben können – indem man sorgfältig die Richtung des Lichts auswählt, in der das Licht auf das Objekt fällt und die totale Kontrolle über die Bildstimmung hat.

Man muss die Fläche als Lichtquelle betrachten, von der das Licht gebounct wird und nicht das Blitzgerät selbst.

Beim Betrachten dieser Bilderserie kann man erkennen, dass die Richtung des Lichts von leicht hinten auf der linken Seite des Objektes kam. Alle Fotos wurden mit nur einem Systemblitz auf der Kamera gemacht.

Ein sehr wichtiger Punkt ist hier, dass kein Licht aus der Perspektive der Kamera kam. Mit anderen Worten, von unserem Standpunkt (welcher der Kamerastandpunkt ist) kommt kein direktes Licht vorwärts.

Deshalb ist es ein gerichtetes Licht, anstelle eines flachen und glatten Lichts. Das Licht kommt von der Seite und kreiert das Zusammenspiel von Licht und Schatten, welches dem Objekt Dimension verleiht.

Die exakte Angabe, wie hier der Blitz gebounced wurde, war dass der Blitzkopf 45° nach links gedreht und ca. 30° nach oben gekippt wurde.

Damit kein direktes Licht auf die Braut fiel, habe ich den Blitz mit meiner linken Hand abgedeckt. So habe ich das Licht von ihr abgeschirmt und das Licht des Blitzes fiel auf die Wand auf der linken Seite und etwas hinter ihrer Sitzposition.

Die Lichtquelle kam also von oben und leicht hinter der Braut. Auf die Weise habe ich den Effekt immitiert, den eine große Softbox erzeugt hätte.

Ein anderer wichtiger Punkt, den es hier zu bedenken gab, war, dass wenn das Objekt einen Teil des Blitzreflektors sehen kann, man auf jeden Fall ein direktes Licht bekommt. Oder zumindest ein geringes Maß an direktem Licht. Meistens ist das fotografisch nicht so schön. Der ganze Grund, warum man einen Blitz bounct, ist es weicheres Licht zu schaffen. Direktes Licht vom Blitz wird fast immer eine unschöne Beleuchtung erzeugen und die Art von Licht kaputt machen, die wir zu erreichen versuchen.

Bei den nächsten beiden close-up Fotos der Bildreihe kann man die Richtung der Lichtquelle sehen. Das wichtige, was man hierbei sehen kann, ist, dass das Licht nicht einfach nach oben an die Decke oder hinter uns geworfen wurde.

Beim Bouncen an die Decke wären die Augenhöhlen zu dunkel geworden und es hätte den ‘Waschbär-Augen-Effekt’ gegeben. Wäre das Licht nach hinten gebounct worden, wäre zwar weiches Licht entstanden, aber die Ausleuchtung wäre im Effekt zu flach geworden.

Ich habe keinen Lichtformer verwendet, von meiner schützenden Hand mal abgesehen. Jeder gekaufte Lichtformer von der Stage hätte zu viel Licht nach vorn geworfen, direkt in das Gesicht der Braut. Und dieses direkte Licht wäre sehr unschön gewesen.

Wieviel Blitz ich benutzt habe und wie er mit dem Umgebungslicht verschmolzen ist, kann man von diesem Foto links ableiten. Das war das erste Foto, bei dem ich keinen Blitz verwendet, sondern mit dem Umgebungslicht eine Silhouette erzeugt habe. Bei den Bildern oben habe ich die gleichen Kameraeinstellungen benutzt. Der bewusste Einsatz des Blitzes macht den ganzen Unterschied aus.

Bei diesen beiden Fotos kann man den Effekt ganz genau sehen, den der Blitz erzeugt hat – und wieviel Umgebungslicht dort herrschte. Das gesamte Licht auf der Braut kam vom Systemblitz auf der Kamera. Hier kann man noch viel deutlicher sehen, dass die Lichtquelle von der Wand links, etwas hinter der Braut kam.

Indem man sehr spezifisch in Bezug auf die Richtung der Lichtquelle ist, kann man ohne viel Gedöns ansprechende Portraits erzielen.

Und wenn man spezifisch in Bezug auf die Richtung der Lichtquelle wird, bedeutet das, dass man nicht einfach einen Lichtformer auf den Blitz schiebt und gedankenlos drauflos schießt.

Autor:  Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

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