
(1/20th @ f2.8 @ 1250 iso)
Ich werde oft gefragt, ob ich auch mal ein Stativ benutze, um die langen Verschlusszeiten zu meistern, mit denen ich oft fotografiere. Die Fragen zielen auch oft darauf ab, freihändig, oberhalb der Grenze von einer 1/60 Sekunde, zu fotografieren.
Die Wahl der Verschlusszeit, bei der man (genügend) scharfe Fotos bekommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum Beispiel, wie schnell und in welchem Winkel zur Kamera sich das Objekt bewegt und ob man die Kamera mitzieht. Ausserdem von dem verwendeten Objektiv, der Sensorgröße und ob man die Kamera ruhig halten kann. Glück spielt dabei auch eine Rolle und wie groß das Bild später mal dargestellt werden soll.
Ich werde keine großen Erklärungen jeden Aspekts versuchen, die alle Situationen abdecken, die uns als Fotografen begegnen können. Aber ich werde auf die Möglichkeiten eingehen, die meine Arbeit betreffen, was in erster Linie die Arbeit eines Hochzeitsfotografen und on-location Portraitfotografen in New Jersey ist.
Ich habe eine Vorliebe für Schärfe. Ich mag knackige Fotos ohne viel Bewegungsunschärfe. Aber das ist eine persönliche, künstlerische Vorliebe. Deshalb tendiere ich dazu, mit einer kürzeren Verschlusszeit zu arbeiten, wenn es mir möglich ist. Das ist auch einfach deshalb, weil ich keine besonders ruhige Hand habe, um die Kamera still zu halten.
Um kurze Verschlusszeiten zu ermöglichen, verwende ich lichtstarke Objektive und hohe ISO-Werte. Oder ich verwende einen Blitz, um Bewegungen einzufrieren. Aber manchmal muss ich eine lange Verschlusszeit wählen, um in dunklen Umgebungen zu fotografieren …
Ich weiß, dass das viele Fotografen irritieren wird, und das vielleicht auch zurecht .. aber ich benutze selten ein Stativ. Ich habe immer zwei in meinem Auto (okay, okay, im Bus) mit dem ich zu den Shootings fahre. Das eine ist ein großes Ungetüm und das andere ein handliches, superleichtes Carbonstativ (beide von Manfrotto).
Beim größten Teil meiner fotografischen Arbeit, finde ich, dass meine Arbeitsgeschwindigkeit für ein Stativ zu hoch ist und es meinen Arbeitsfluss behindert.
Als Alternativen zu einem Stativ arbeite ich mit:
- bildstabilisierenden Objektiven,
- besonderer Vorsicht, mich selbst zu stabilisieren, oder
- der absichtlichen Platzierung meiner Objekte im Schatten, damit sie vom Blitz beleuchtet werden.
Zum ersten Beispiel, das schon mal vorher auf diesen Seiten aufgetaucht ist:
Der Pianist ist im Vergleich zum helleren Hintergrund im Schatten. Er wurde hauptsächlich vom Blitz beleuchtet. Das hat jede Kameraverwackelung eingefroren (Das Ultraweitwinkel half ausserdem eine Kameraverwackelung zu verbergen.). Eine wahrnehmbare Kameraverwackelung läge im Hintergund mit der geringen Schärfentiefe. Das heißt, man würde sie niemals bemerken.

(1/15th @ f4 @ 800 iso)
Tatsächlich gestalte ich eine Szene sehr häufig so, dass das Objekt in einem schattigen Bereich im Gegensatz zum Hintergrund liegt. Ein nur momentaner Blitz friert jegliche Kameraverwackelung ein. Das nächste Bild, ein spontanes Portrait meines Freundes Thomas, zeigt teilweise, wie ich so ein Szenario aufbaue.

Ich habe ihn bewusst in einem dunkleren Teil positioniert und mit gebounctem Blitz beleuchtet. In diesem Fall war die Verschlusszeit mit 1/100 relativ hoch, aber die Technik hätte auch mit einer längeren Verschlusszeit funktioniert. Einfach, weil der Blitz jede wahrnehmbare Kameraverwackelung eingefroren hätte.
Für dieses Bild -einem innigen Foto einer Mutter und ihrer Tochter, dem Blumenmädchen- habe ich eine lange Verschlusszeit verwendet. Ich wusste aber, dass das dunkle Umgebungslicht kaum eingefangen werden würde und der Blitz ausserdem jede Kameraverwackelung verhindert hat. Der Bildstabilisator hat natürlich auch seinen Teil dazu beigetragen.

Bei dem Foto unten wurde der Hintergrund von einem fernausgelösten Q-Flash (im manuellen Modus) beleuchtet und der Vordergrund von einer Tischlampe erhellt. Um das Kunstlicht das Objekt genügend ausleuchten zu lassen, musste ich eine lange Verschlusszeit von 1/40 (@ f2.8) wählen. Die Helligkeit des Hintergrundes habe ich durch die Wahl der ISO und Blende kontrolliert. Und dann konnte ich festlegen, wie hell sich das Kunstlicht im Vergleich dazu auswirkt, indem ich eine entsprechende Verschlusszeit gewählt habe.

Die lange Verschlusszeit war hier möglich, da ich eine bildstabilisierte Linse verwendet habe. Um aber wirklich sicher zu gehen, habe ich eine Reihe von Aufnahmen geschossen. Teil meiner Technik mit langen Verschlusszeiten ist es Serienaufnahmen zu machen.
Bildstabilisierte Objektive sind wichtige Ergänzungen zu jeder Kameratasche. Sie ermöglichen scharfe Aufnahmen, die unter anderen Umständen schwer realisierbar wären. Beim ersten Bild dieses Posts war die kurze Verschlusszeit nur wegen der dunklen Lichtverhältnisse und die stabilisierte Linse war für das Gelingen entscheidend.
Bei diesem Verlobungsshooting war es mir möglich eine Verschlusszeit (1/20 @ f10) zu wählen, die lang genug war, um die vorbeifahrenden Taxis verschwimmen zu lassen. Wieder war die stabilisierte Linse unverzichtbar.

Um also ein brauchbares Foto bei einer langen Verschlusszeit zu bekommen, liegt es nicht nur an einer Sache allein, sondern an der Kombination von wohl bedachtenTechniken.
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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause