Geradeaus

by Neil vN on May 11, 2008

Hier ist eine Frage die mich oft per Email erreicht: Ob ich im Freien irgendeinen Diffusor oder direkten, nach vorn gerichteten Blitz benutze.

Die Kurzantwort ist: ja. Im Freien fotografiere ich meistens direkt nach vorne, ohne einen Diffusor oder Lichtformer, insbesondere, wenn ich den Blitz nur als Füllicht nutze.

Aber so einfach ist die Antwort wiederum auch nicht. Gehen wir ein paar Schritte zurück:

Den Systemblitz nach vorn zu richten, wenn man sich in Räumen befindet, ist der denkbar schlechteste Weg ihn zu verwenden. Man ist mit dem weichen, gerichteten Licht eines von der Wand oder anderen Oberflächen gebouncten Blitzes besser beraten.

Bei diesem Beispiel, das ich letztens auf einer Hochzeit fotografiert habe, ist der Blitz beides: diffus und gerichtet. Es sollte beachtet werden, dass, auch wenn der Systemblitz auf der Kamera verwendet wurde, kein Licht direkt vom Standpunkt der Kamera herkommt.


Das wäre natürlich auch ideal für einen Blitz im Freien und wenn es mir möglich ist, dann verwende ich entfesselte Blitze die diffus sind.

Zum Beispiel:

Hier habe ich einen Quantum T5D-R im kabellosen TTL-Modus und mit dem Q-flash in einer Westcott Apollo Softbox verwendet, die einen zufriedenstellenden Füllblitz produziert hat. Der Q-flash (mit Quantum 2×2 Battery) und die Softbox wurde von meinem Assistenten gehalten.

Bei diesem Bild habe ich meinen Systemblitz in einen Reflektor gebounct, den mein Assistent hoch hielt – und das ergab wiederum weiches und gerichtetets Licht.

Wenn ich kann, versuche ich im Freien weiches und gerichtetes Licht zu verwenden. Aber oftmals muss man irgendwelche Kompromisse eingehen. Es könnte keine brauchbare Fläche zum Bouncen geben, oder vielleicht ist das Umgebungslicht zu grell, um mir das Bouncen von entfernteren Flächen zu ermöglichen. Oder ich könnte ohne einen Assistenten unterwegs sein.

Wenn ich im Freien arbeite und nur meinen Systemblitz bei weniger idealem Umgebungslicht zur Verfügung habe (und die oben genannten Einschränkungen habe), dann akzeptiere ich den Kompromiss mit direktem Blitzlicht.

Da ich einen Blitz nicht von den Wolken bouncen kann -und ich habe Fotografen das offentsichtlich versuchen gesehen; verrückt genug- akzeptiere ich, dass ein direkter Blitz alles ist, was ich in diesem Moment zur Verfügung habe. ABER, wenn ich mit den Objekten im Freien arbeite, dann versuche ich sie dort zu positionieren, wo das Umgebungslicht sie gleichmäßig (oder scheinbar gleichmäßig) beleuchtet… und dann verwende ich einen Füllblitz, um die Schatten anzuheben.

In einem solchen Fall verwende ich nur einen Hauch von Füllblitz und der ist kaum wahrnehmbar. Deshalb lenkt die Tatsache, dass es sich um einen direkten Blitz handelt, nicht vom eigentlichen Foto ab.

Ich verwende äusserst selten irgendwelche Diffusoren, wenn ich im Freien mit direktem Blitz (als Füllblitz) arbeite. Der Grund dafür ist, dass man nur weicheres Licht bekommt, wenn man die Lichtquelle (viel) größer gestaltet. Und das Aufstöpseln eines Stofen auf den Blitz erschafft KEINE größere Lichtquelle. Gleichsam, wird jeder Lichtformer, der auf den Blitz gesteckt und direkt verwendet wird keine größere Lichtquelle als den direkten Blitz selbst ergeben. Darum ist es auch einfacher den Blitz direkt zu verwenden – geradeaus und ohne Diffusor – und die Blitzkompensation weit bis -2EV oder -3EV herunter zu nehmen.

Hier sind einige Beispiele von vergangenen Verlobungsshootings:

meine Einstellungen:
1/250th @ f5 @ 500 iso – manual exposure mode.
On-camera TTL-Blitz, heruntergeregelt auf -2EV.

Wie man sehen kann, habe ich das Paar sorgfältig im Schatten platziert und undiffuses, direktes Licht geblitzt, um die Schatten etwas anzuheben. Es sieht nicht nach direktem Blitz aus, weil der Blitz weit heruntergeregelt war… und die Blitzkompensation wird nach der Belichtungsmessung für das Umgebungslicht geregelt, das heisst, der Blitz versüßt die Szene nur ein wenig.

meine Einstellungen:
1/320th @ f4 @ 500 iso – manual exposure mode.
On-camera TTL-Blitz, heruntergeregelt auf -3EV.

Wieder habe ich darauf geachtet, dass das Paar in gleichmäßigem Licht steht, indem sie vom Sonnenlicht abgewand stehen. Dass heisst, dass sie im Schatten positioniert sind. Und genau wie beim letzen Beispiel, habe ich undiffuses, direktes Licht geblitzt, um die Schatten etwas anzuheben.
Warum hier-3EV und -2EV beim vorherigen Beispiel? Pure Laune. Es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Man sieht, da der Blitz nur ein Hauch von Füllicht ist, ist der exakte Wert nicht so wirklich wichtig. Der Füllblitz ist das Sahnehäubchen auf der korrekten Belichtung des Umgebungslichts. Und DAS ist hier der Schlüssel – dass das Umgebungslicht korrekt eingefangen wird. Bei beiden Beispielen (und bei jedem anderen Beispiel auf diesen Seiten) fotografiere ich im manuellen Modus. Es ist wirklich der einzige Weg, um gleichmäßige Belichtungsfolgen und fortlaufend richtige Belichtungen zu bekommen. Vertraut mir!

Hier ist ein weiteres Beispiel, das zeigt, dass die Art den Blitz als Füllblitz zu benutzen und solche Ergebnisse zu erzielen nicht purer Zufall ist:

meine Einstellungen:
1/250th @ f4 @ 800 iso – manual exposure mode.
On-camera TTL-Blitz, heruntergeregelt auf -3EV.

Was ist nun mit den Situationen, in denen der Blitz nicht nur zahrter Füllblitz ist?

meine Einstellungen:
1/250th @ f7.1 @ 200 iso – manual exposure mode.
On-camera TTL-Blitz, hochgeregelt auf +0.3EV.

Wie ich schon erwähnt habe, bedeutet ein Blitz als Füllicht, dass der Blitz kaum wahrnehmbar ist. Wenn ich aber einen Blitz als Hauptlichtquelle einsetze, wird er sehr wohl sichtbar – aber nicht notwendigerweise unangenehm. Und ich bin der Meinung, dass ein Lichtformer auf dem Blitz kaum einen Unterschied machen würde… ausser, dass er meine Blitzleistung verringern würde. Nur wenige Lichtformer ermöglichen eine wesentlich größere Lichtquelle, als das reine Blitzgerät. Und desshalb ist ein Lichtformer für den Gebrauch im Freien oftmals nutzlos.

Im Bild oben kann man sehen, dass ein Blitz verwendet wurde, da es einen erkennbaren Blitzschatten gibt. Aber das war ein geringfügiger Kompromiss für dieses Shooting, da ich wusste, dass ich mich viel hin und her bewegen würde. Und deshalb wusste ich schon vorher, dass, wenn ich die Schatten von der hell scheinenden Sonne aufhellen wollte, ich mehr als nur einen Füllblitz brauchen würde.

Also ja, ich benutze direkten Blitz, wenn ich im Freien arbeite. Aber auch dann mache ich mir Gedanken darüber, wie ich den Blitz einsetze und insbesondere, wie ich ihn im Verhältnis zum Umgebungslicht anwende.

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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

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