Aus dem Weg räumen moderner Legenden

by Neil vN on October 7, 2008

Die Kurzerklärungen über Blitzfotografiegrundlagen werden sehr oft irreführende ‘Fakten’. Ich sehe in verschiedenen Fotografieforen und in Fragen, die mich per Email erreichen, regelmäßig die folgenden Aussagen wiederholt:

  • der Blitz wird durch die Blende kontrolliert
  • die Verschlusszeit kontrolliert das Umgebungslicht.
    (Manchmal ist es auch zu einer komplett verwirrenden Version verdreht:
    Das Umgebungslicht wird nur durch die Verschlusszeit kontrolliert.)

Auch wenn diese Beschreibungen halb wahr sind, so sind sie auch halb falsch und vernebeln das vollständige Verständnis, wie Verschlusszeit, Blende und ISO für das Umgebungslicht und die Blitzbelichtung zusammenwirken.

Zunächst aber, um Himmels Willen, wenn deine Kamera so eingestellt ist, dass man 1/2 Stufen bei der Verschlusszeit und Blende einstellen kann, stell sie bitte so ein, dass man 1/3 Stufen wählen kann. Das ist wirklich wichtig.

Das wird in den Situationen wichtig, in denen man schon eine korrekte Belichtung hat, aber irgendeine Einstellung simultan ändern möchte. Dann kann man entweder die Verschlusszeit, die Blende oder die ISO ändern (oder jede Kombination der drei), indem man einfach die Klicks zählt. Zum Beispiel: Wenn man eine ganze Belichtungsstufe mehr für eine Verschlusszeit (das heisst 3 Klicks) braucht, dann kann man 2 Klicks die Blende aufmachen und 1 Klick die ISO hochstellen, um immernoch eine korrekte Belichtung für die neue Verschlusszeit zu bekommen.

Die Themen TTL Blitz gegen manuellen Blitz und Ausbalancieren von Blende, Verschlusszeit und ISO wurden hier schon behandelt, aber diesmal will ich mich speziell auf die beiden oben genannten Aussagen konzentrieren.

  • der Blitz wird durch die Blende kontrolliert

Das hängt davon ab, ob man mit manuellem Blitz oder TTL arbeitet. Da gibt es bestimmte Unterschiede.

Beim TTL Blitz, wenn man in dem Bereich bleibt, den der Blitz leisten kann, wird die Wahl der Blende und ISO tatsächlich irrelevant. (Lest das bitte noch einmal, bis die Aussage klar wird.)

Beim manuellen Blitz widerum, hat die Blende einen direkten Einfluss auf die Blitzbelichtung, aber sehr wohl auch die ISO. Man sollte die ISO beim manuellen Blitz nicht aus der Gleichung nehmen.

Die Verschlusszeit hat keinen Einfluss auf die Blitzbelichtung (oberhalb der maximalen Blitzsynchronzeit), ABER auf das Umgebungslicht. Jede gewählte Verschlusszeit (zur gewählten ISO) gibt eine bestimmte Blende vor. Deshalb hat die Wahl einer Verschlusszeit natürlich einen indirekten Einfluss auf die Blitzbelichtung.

Zum Beispiel: Der Grund, warum man in heller Umgebung die maximale Blitzsynchronzeit wählt, ist, dass man bei der maximalen Blitzsynchronzeit die größt mögliche Blende bekommt (ausserhalb der Kurzzeitsynchronisation (Canon HSS; Nikon FP)) und deshalb die größte Reichweite mit dem Blitz erhält. Das ist auch der Grund dafür, warum es in diesem Fall am meisten Sinn macht, die Kamera manuell einzustellen, auch wenn man TTL Blitz verwendet.

Im Fall, dass Blitz- und Umgebungslicht vermischt werden sollen, diktiert die Verschlusszeit die Blende und damit beeinflusst sie auch die Blitzbelichtung oder wie schwer der Blitz arbeiten muss.

Nun, zum anderen Kommentar:

  • die Verschlusszeit kontrolliert das Umgebungslicht

Das ist wahr. Aber er verschweigt die beiden anderen Mitspieler - Blende und ISO. Das rutscht ziemlich oft bei Erklärungen über das Ausbalancieren von Blitz und Umgebungslicht durch und wird somit eine weitere irreführende Kurzfassung. Und wie bereits erklärt, nimmt die Verschlusszeit relativ oft eine wichtige Stellung bei der Blitzfotografie ein.

Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

Leave a Comment

Previous post:

Next post: