Jemand hat mir eine Frage bezüglich der Belichtungsmessung in Verbindung mit Blitzlicht gemailt und ich möchte sie hier beantworten, um vielleicht auch anderen damit zu helfen.
Sagen wir, ich vewende den M Modus und habe meine Blende und Verschlusszeit so eingestellt, dass der Belichtungsmesser auf Null steht. An diesem Punkt weiß ich, dass ich eine “korrekte Belichtung” habe. Ich würde nun entscheiden, ob ich entweder über- oder unterbelichte, abhängig von der Situation.
Meine Frage ist, wird das Bild überbelichtet, wenn ich einen Blitz einsetze, auch wenn meine Belichtungsskala auf Null gestellt ist? Ich weiß nicht, wie ich den Blitz einstellen soll, wenn ich ihn in meine üblichen Arbeitsschritte im M Modus einbinden will. Ich habe nichts über die Belichtungsskala hier im Blog gefunden.
Es ist schwer, eine abschließende Antwort darauf zu geben. Als erstes, die Belichtung auf Null einzustellen bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Belichung auch korrekt ist. Meine Seiten über die Belichtungsmessung erklären Teile darüber. Manchmal muss der Belichtungsmesser eine Über- oder Unterbelichtung anzeigen, um eine tatsächlich korrekte Belichtung zu haben. Der wichtige Grundgedanke dabei ist, dass man für das Objekt oder einen speziellen Teil der Szene belichten muss.
Ein schlechtes Beispiel für das Einpegeln des Belichtungsmessers auf Null, ist bei einer im Hintergrund sehr hellen Szenerie. Was erschwerend hinzukommt, ist, dass der Belichtungsmesser verschiedene Einstellungen anzeigt, wenn man den Bildausschnitt verändert. Wenn man hinein- oder herauszoomt, oder vertikal oder horizontal fotografiert, zeigt der Belichtungsmesser unterschiedliche Einstellungen.
Lasst uns ein Beispiel ansehen und sehen wohin es uns führt…
Das ist ein Foto von einer Hochzeit im letzten Jahr und wird uns hoffentlich einen Einblick in den Gedankengang ermöglichen. Man muss aber im Hinterkopf behalten, dass es nur ein Beispiel aus einer unendlichen Vielzahl von Möglichkeiten ist, die einem begegnen können. Man muss flexibel bleiben.

Meine Einstellungen: 1/200th @ f3.2 @ 800 ISO … flash exposure comp +1.3 EV
Canon 1D mk3, Canon 70-200mm f2.8 IS
Das waren meine Einstellungen und die sich aufdrängende Frage wäre wohl, wie ich auf sie gekommen bin. Zunächst ist das erste Bild um 1/2 Stufe unterbelichtet, in Bezug auf das Objekt. Es war ein schnelles Portrait, das ich gemacht habe, als ich vorbeikam und der Bräutigam sich mit Gästen unterhielt. Ich habe die Abenddämmerung durch die Fenster gesehen und bat den Bräutigam sich davor zu platzieren. Ich habe meinen Blitz weit hinter mich an die Wand gebounct. Man erkennt am Licht auf seinem Gesicht, dass das reflektierte Licht weich und gerichtet war. Wenn ich in Räumen arbeite, veruche ich immer den Aufsteckblitz wie einfaches Studiolicht aussehen zu lassen.
Zurück zu den Einstellungen. Ich habe meine anfänglichen Belichtungseinstellungen bekommen, indem ich die Belichtungsskala überprüft habe und ein Testbild von den Fenstern gemacht habe. Ich habe sichergestellt, dass die Blende und ISO so eingestellt sind, dass das Bouncen in einem sehr großen Raum erfolgreich sein würde. Die Blitzkompensation war komplett heraufgeregelt, weil ich weiß, dass helle Hintergründe stark Canons TTL-Blitzmessung beeinflussen.
Jetzt wäre der Bräutigam ohne Blitz nur eine Silhoutte. Nicht ein einziges Detail. Deshalb kommt nun der Blitz hinzu. Aber anstatt einen entfesselten Blitz mit einer Softbox zu verwenden, habe ich mit dem Aufsteckblitz den gleichen Effekt erzeugt. Und das Foto oben hat ziemlich genau den Effekt, den ich bei diesem einfachen Portrait erzielen wollte.
Also zurück zur Eingangsfrage. Wird der Blitz das Foto überbelichten, wenn die Belichtungsskala auf Null steht? Nicht zwangsläufig, wie man in dem Beispiel sieht. Ich habe keine Ahnung was der Belichtungsmesser angezeigt hat, als ich auf das hintergrundbeleuchtete Objekt gezielt habe. Es war auch weitestgehend unwichtig für mich, da ich bereits die richtige Belichtung für den Hintergrund eingestellt hatte, bevor ich das Portrait gemacht habe. Der TTL-Blitz hat sich dann um den Rest gekümmert. Ich kümmere mich immer nur soviel um die Aneige der Belichtungsskala.
Zwei Dinge haben mir ermöglicht schnell zu arbeiten. Der Hintergrund hätte innerhalb einer weiten Spanne von Belichtungseinstellungen auch gut ausgesehen. Das war nicht so entscheidend. Nicht so entscheidend wie es bei Hauttönen wäre. Und was auch hilfreich ist, ist dass ich in RAW fotografiere. Das gibt mir mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. (Ja, ja, ich weiß. In diesem Fall hätte ich die Belichtung auch bei einem Jpeg aufhellen können, aber das ist hier nicht der Punkt.)
Wie ich gesagt habe, war des Ursprungsbild ungefähr 1/2 Stufe unterbelichtet und das in erster Linie deswegen, weil ich unbedingt den Biltz von einer 5-6 Meter entfernten Steinwand in dem Schloss bouncen wollte. Die Wand hat nicht genug Licht reflektiert, wie ich es idealerweise gern gehabt hätte. Aber das endgültige Bild, mit berichtigter Belichtung und Weißabgleich in RAW, sieht ziemlich gut aus.
Es ist ein weites Feld – Belichtungsmessung in Verbindung mit einem Blitz – so dass ich vorhabe, das Thema irgendwann noch einmal aufzugreifen und mehr Beispiele zu bringen. Aber ich hoffe, mit dieser Erklärung macht es schon bei einigen Dingen klick!?
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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause
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