Zwei der am meisten um sich geworfenen Binsenweisheiten bezüglich der Blitzfotografie sind:
- das Umgebungslicht wird durch die Verschlusszeit kontrolliert,
- die Blitzbelichtung wird duch die Blende kontrolliert.
Ich habe in einem früheren Artikel dagegen gespottet, den ich die modernen Legenden über Blitzlicht genannt habe. Meine Sorge ist, dass mit dieser Verallgemeinerung und Verbiegung um diese beiden oberflächlichen Aussagen das eigentliche Verständnis verloren geht, wie Blitz- und Umgebungslicht interagieren.
Mein Problem mit der ersten Aussage ist, dass sie nicht berücksichtigt, dass die Blende und ISO genauso das Umgebungslicht kontrollieren.
Als diese ‘Abkürzung’ aufgetaucht ist, ging es um manuellen Blitz, wo die Belichtung durch vier Dinge kontrolliert wird: Blende, ISO, Abstand (von der Lichtquelle) und Stärke der Lichtquelle und das lässt die Verschlusszeit als einzig unabhängige Kontrollmöglichkeit für das Umgebungslicht übrig.
Es ist so wichtig zu verstehen, dass sich mit TTL-Blitz die Dinge etwas ändern. Tatsächlich ändern sich die Dinge gewaltig, da die Belichtungskontrolle zwischen manuellem Blitz und TTL komplett verschieden ist.
Genau deshalb finde ich die zweite Binsenweisheit “die Blende kontrolliert die Blitzbelichtung” absolut verwirrend.
Beim TTL-Blitz arbeiten Kamera und Blitz zusammen, um die Blitzbelichtung zu kontrollieren/kalkulieren. Diese regulieren dann die Stärke des Lichts, das der Blitz rausschickt, um richtig (wie er erachtet) zu belichten… und das alles ohne Rücksicht auf die gewählte Blende, ISO oder dem Abstand zwischen Blitz und Objekt. Natürlich müssen diese Dinge im vernünftigen Rahmen bleiben. Man muss innerhalb der Leistungsmöglichkeiten des Blitzgerätes arbeiten.
Lasst uns sehen, wie das geht. Hier sind zwei Bilder aus meinem Buch über Blitzfotografie.. und ich möchte sie hier mit einem leicht anderen Ansatz verwenden.

So wie das Model Jackie vor dem Fenster steht, gibt es zwei Dinge für die man belichten muss:
- man muss das Umgebungslicht berücksichtigen für den Hintergrund draussen,
- und es muss die Blitzbelichtung für das Objekt Jackie bedacht werden.
Umgebungslichtbelichtung für den Hintergrund – Verschlusszeit, Blende und ISO. Sehr einfach.
Blitzbelichtung, um das Objekt zu belichten – nun, das hängt davon ab, ob man manuellen oder TTL-Blitz verwendet.
Wie gesagt, wenn ich manuellen Blitz verwendet hätte (zum Beispiel mit einer Softbox), dann hätte ich ihn für eine bestimmte Blende, ISO, Abstand und Blitzleistung einmessen und die vier Einstellungen ausbalancieren müssen, um eine korrekte Belichtung zu erhalten, die ein Belichtungsmesser vorgegeben hat. (Oder vielleicht mittels des Histogramms.)
In diesem Fall habe ich aber TTL-Blitz benutzt, den ich über meine linke Schulter in den Raum gebounct habe. Ich habe TTL-Blitz vorsätzlich so verwendet, um einen Punkt zu veranschaulichen:
Beim TTL-Blitz wird die Blende ‘unwirksam’.
Mit anderen Worten: Die Wahl der Blende hat beim TTL-Blitz (im vernünftigen Rahmen) keinen Einfluss auf die Blitzbelichtung. (Das trifft genauso auf die Wahl der ISO zu.)
Ich erkläre das ..
Sehen wir uns die Einstellungen für diese beiden Bilder an:

links: 1/125th @ f2.8 @ 800 ISO
rechts: 1/125th @ f5.6 @ 800 ISO
Traditionell würden wir die Verschlusszeit verändern, um den Hintergrund abzudunkeln, während wir einen Blitz für das Model benutzen. Normalerweise hätte ich auch die Verschlusszeit von 1/125 auf 1/250 gestellt, bevor ich Änderungen an der Blende oder ISO vorgenommen hätte. Somit hätte ich eine Blendenstufe für den Hintergrund weniger, ohne meinen Blitz schwerer arbeiten zu lassen. Es macht durchaus Sinn, zuerst die Verschlusszeit zu verändern, um das Umgebungslicht zu korrigieren, bevor man irgendeine andere Einstellung verstellt.
In diesem Beispiel habe ich aber bewusst einen anderen Weg gewählt. Ich habe meine Verschlusszeit nicht verändert, dafür aber die Blende.
Wäre es manueller Blitz, hätte ich die ISO, die Blitzleistung oder den Abstand vom Blitz zum Model verändern müssen, um die Veränderung der Blende zu kompensieren.
Der TTL-Blitz lässt aber die Kamera und den Blitz die Belichtung errechnen, die er denkt, sie wäre richtig und kompensiert so automatisch die veränderte Blende. Ich musste nichts anderes verändern. Meine Kamera und der Blitz haben das für mich erledigt. Ich hatte meine Blitzkompensation für jedes Bild dieser Serie auf +1,0 EV gestellt.
Als ich von f2.8 auf f5.6 gewechselt habe, konnte ich weiterschießen und die gleiche (TTL) Belichtung bekommen. Kamera und Blitz sind der Veränderung übergangslos gefolgt und haben exakt die gleiche Blitzbelichtung bei f5.6, wie bei f2.8 ergeben.
Klar, der Blitz musste schwerer arbeiten. Um genau zu sein, musste er bei f5.6 vier mal so viel Licht ausschütten, wie bei f2.8. Die Belichtung bleibt aber die gleiche. Aber deshalb sollten wir auch beim TTL-Blitz besser zuerst die Verschlusszeit zur Kontrolle des Umgebungslichts verändern, auch wenn wir es nicht “müssen”, wie wir es beim manuellen Blitz “müssen”.
Wie man deutlich sehen kann, hat sich das Umgebungslicht durch die veränderte Blende auch verändert.
Nun zurück zu den beiden Binsenweisheiten über Blitze, aber diesmal mit Bezug auf TTL-Blitz, wie ich es zuvor gezeigt habe.
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Meine aufrichtige Meinung ist, dass wenn wir vollständig verstehen, wie Blitz und Umgebungslicht zusammenhängen, dann werden wir… na ja, dann haben wir das vollständige Verständnis dafür, wie Blitz und Umgebungslicht zusammenhängen. :^)
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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause
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