Wann man NICHT auf den 2. Verschlussvorhang synchronisiert

by Neil vN on December 13, 2009

Für die Blitzfotografie werden oft die Vorschläge gemacht, dass man die Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang (rear-curtain sync) verwenden sollte. Oft aber aus den falschen Gründen. Hier geht es darum, wann man NICHT auf den 2. Verschlussvorhang synchronisieren sollte… wenn man es nicht ausdrücklich braucht. Klingt verwirrend? Nun, lasst es mich erklären…

Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang/Rear-curtain sync

Der Kameraverschluss besteht aus zwei Vorhängen die sich öffnen und erlauben, dass Licht auf den Sensor oder Film trifft.

Das gilt für alle Filmkameras mit Schlitzverschluss (im Gegenzug zu Zentralverschlusskameras) und alle Digitalkameras mit mechanischem Verschluss (im Gegenzug zu elektronischen Verschlüssen).

Um Licht auf den Sensor (oder Film) zu lassen, öffnet sich der erste Vorhang und kurze Zeit später verschließt der zweite Vorhang wieder. Nun, wenn man längere Verschlusszeiten verwendet, als die maximale Blitzsynchronzeit, dann bieten die meisten DSLR und Systemblitze zwei Stellen, an denen der Blitz synchronisiert werden kann.

Man kann den Blitz genau bei Öffnen des ersten Vorhangs auslösen (Synchronisation auf den 1. Verschlussvorhang/first curtain sync) oder kuuurz bevor der zweite schließt (Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang/rear curtain).

Wenn sich das Objekt von Seite zu Seite im Sucher bewegt, ergibt das zwei unterschiedliche Effekte. Die Art wie der Verwischeffekt durch das Umgebungslicht im Vergleich zum durch den Blitz eingefrorenen Objekt aussieht, ist bei beiden Arten der Blitzsynchronisation anders. Wenn man Personen (oder irgendein Objekt) bei wenig Licht fotografiert und einen Blitz benutzt, wobei sich das Objekt bewegt, dann wird man mit der Synchronisation auf den 2. Vorhang wohl den besseren Effekt erzielen. (Mehr darüber in einem späteren Artikel.)

Wie auch immer, wenn das Objekt statisch ist, dann wird es im Ergebnis keinen Unterschied machen… außer wenn man TTL-Blitz benutzt und Personen fotografiert, die in die Kamera schauen.

Um das zu erklären, sehen wir uns dieses Diagramm an:

Um die TTL-Blitzbelichtung zu ermitteln, senden Kamera und Blitzgerät eine Sequenz von Vorblitzen aus. Es ist dieser Lichtimpuls oder -impulse BEVOR der Hauptblitz die korrekte Belichtung erzeugt, wodurch die Kamera die TTL-Blitzbelichtung errechnet.

Wenn man auf den 1. Vorhang/normal synchronisiert, sind die Vorbiltze und der Hauptblitz zeitlich so eng beeinander, dass man keinen Unterschied merkt. Es sieht wie ein Blitz aus.

Wenn man aber auf den 2. Vorhang/rear synchronisiert, kann ein merkbares Intervall zwischen dem Vor- und dem Hauptblitz entstehen. Je länger die Verschlusszeit, desto größer die Verzögerung zwischen Vor- und Hauptblitz.

Wenn man nun Personen mit einer langen Verschlusszeit fotografiert, reagieren sie auf den Vorblitz und die meisten Leute blinzeln. Im Ergenbis wird man eine große Anzahl von Bildern haben, bei denen die Leute halb oder ganz geschlossene Augen haben. Nicht gerade schön.

Man kann den zeitlichen Versatz zwischen Vor- und Hauptblitz tatsächlich sehen:

Stellt Eure Kamera auf irgendeine ISO und Blende.

Da es nur ein Test ist, könnt ihr auch eine hohe ISO einstellen (egal wie hoch) und eine relativ weite Blende. f4 wäre gut.

Stellt die Verschlusszeit auf 1 Sekunde.

Bounct den Blitz. (Es gibt keinen besonderen Grund dafür. Tut es trotzdem, da es an sich eine gute Idee ist.)

Lasst den Blitz auf dem 1. Vorhang und drückt den Auslöser. Schaut euch die Lichtexplosion(en) an. Es wird wie eine einzige Lichtexplosion aussehen.

Stellt jetzt die Kamera für den Blitz auf dem 2. Vorhang ein.

- bei Nikon ist das für gewöhnlich ein Knopf oben auf der Kamera, den man drücken und dabei am Rädchen drehen muss. Der Knopf muss ein Blitzsymbol haben.

- bei Canon wird das am Blitzgerät eingestellt. Es ist der Knopf mit dem Blitzsymbol und den Dreiecken. Drückt den Knopf bis ihr die Dreiecke eingestellt habt.

Nun werdet ihr zwei unterschiedliche Lichtimpulse sehen. Der erste ist der Vorblitz/Messblitz, mit dem die Kamera die TTL-Blitzbelichtung errechnet. Der zweite ist der eigentliche Blitzimpuls, der die Belichtung für das fertige Foto erzeugt.

Diese Verzögerung sorgt dafür, dass der Vorblitz vom Hauptblitz getrennt erscheint. Das veranlasst häufig, dass die Personen blinzeln.

Die Synchronisation auf den 2. Vorhang gibt NICHT bessere Blitzergebnisse, als auf den 1. Vorhang. Ich lese reglemäßig Ratschläge in Foren, dass die Synchronisation auf den 2. Vorhang bessere Blitzbelichtungen ergibt. Das ist aber einfach nicht wahr.

Mein Rat ist es nun, wann man die Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang benutzen sollte – tut es, wenn ihr triftige Gründe dafür hat. Solche wie: Ihr wollt den Geistereffekt vermeiden, den man sieht, der bei Bewegungen und Blitz auftritt. Für jede andere Situation sollte man auf den 1. Vorhang synchronisieren. Man wird weitaus weniger Blinzler haben und das Leben wird einfacher ein.

Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

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Synchronisation auf den ersten und zweiten Verschlussvorhang — Tangents - die deutsche Übersetzung
June 6, 2010 at 10:07 am

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