Mit dem Thema – Ausbalancieren von Blitz- und Umgebungslicht – scheinen viele Fotografieanfänger zu kämpfen. Die größte Hürde scheint es zu sein, den Ausgangspunkt zu finden, wie man die Belichtung für beides findet.
Ich möchte dieses Thema in diesem Beitrag ein wenig erforschen. Der Auslöser war eine Frage, die mir jemand per Mail geschickt hat, worin es um ein Foto aus meinem Buch über Blitzfotografie ging. Anstatt ihm die Frage direkt zu beantworten, dachte ich mir, dass eine weiterfassende Antwort die Sache noch mehr aufhellen könnte. Wir sind immer auf der Suche nach Aha-Effekten. Also lasst uns sehen, wohin uns dieses Thema führt. (Ich komme auf die spezielle Frage und Antwort am Ende des Beitrags zurück.)
Warum wollen wir also überhaupt einen Blitz verwenden, wenn das vorhandene Licht schon weich ist?
Die Antwort kann nur sein, dass wir mit einem Blitz die Richtung und Qualität des Lichts selbst bestimmen und ein dynamischeres Foto schaffen.
Man verwendet einen Blitz nicht zwangsläufig nur dafür, Verwackelungen der Kamera zu vermeiden oder um bei schwachem Licht zu fotografieren. Man benutzt einen Blitz, um besseres Licht auf das Objekt zu werfen. Man kann das bereits vorhandene Licht aus-/verbessern. Oder man erschafft dynamischeres und interessanteres Licht. Es geht um Kontrolle. Wir entscheiden. Also, wo fangen wir an?
Wenn ich in relativ flachem und gleichmäßigem Umgebungslicht arbeite, ist für mich die einfachste Herangehensweise, indem ich das Umgebungslicht um einem bestimmten Wert unterbelichte. Um wieviel wird das Umgebungslicht unterbelichtet? Nun, es hängt davon ab. In der Regel ist eine Blende gut. Zwei Blenden können auch funktionieren. Falls ihr schon mal Bilder in Mode- und Musikmagazinen gesehen habt, bei denen die Models in einem Lichtpool stehen und die sonnenbeschienende Skyline im Hintergrund dunkler ist, dann hat der Fotograf den Hintergrund um 2-3 Blenden unterbelichtet. Auch im starken Sonnenlicht. Wir haben also einen Spielraum. Das sollte ein wenig die Angst nehmen.
Das Umgebungslicht um eine Blende unterzubelichten und dann einen Blitz hinzuzufügen ist nur ein Szenario und nur ein Rezept. Dieser Ansatz wird nicht bei allen möglichen Situationen zutreffen, die so anfallen können. Er ist aber ein guter Strartpunkt, um die Große Frage anzupacken – Wo man anfängt das Blitz- und Umgebungslicht auszugleichen.
Fangen wir mit einem Beispiel an, bei dem die vorgenannte Methode nicht funktionieren würde:

Einstellungen: 1/125 @ f3.5 @ 800 ISO
Lichtführung: Q-flash T5D-R, im TTL Modus, mittelgroße Softbox von rechts
(Ein Systemblitz in der Softbox hätte hier auch gereicht.)
Hier ist das Bild ohne Blitz. Nur um einen Vergleich zu haben…

Wie man deutlich sehen kann, wäre das Model mit den Einstellungen komplett unterbelichtet, wenn nicht der Blitz Licht auf sie wirft.
Mit der Menge an Licht, wie es am Times Square vorherrscht, hätte man ohne Blitz ein gut belichtetes Foto bekommen, wenn mit einer größeren Blende und höherer ISO fotografiert hätte.

Dieses Foto wurde mit dem Nikon 200mm f2 AF-S VR lens (B&H), nur mit Umgebungslicht aufgenommen, wie in dem früheren Artikel beschrieben.
Einstellungen: 1/200 @ f2 @ 800 ISO
Bei dem Bild habe ich das Model so platziert, dass genug Licht auf ihr Gesicht fiel und mir eine korrekte Belichtung mit freihändig haltbaren Einstellungen ermöglichte.
Aber bei diesem Foto…

… habe ich das Model, verglichen mit dem Hintergrund, ins Dunkel gestellt. Das war absichtlich, damit ich den Blitz ohne Sorge darüber verwenden kann, dass das Umgebungslicht komische Farbstiche hervorbringt. Was die Grundbelichtung angeht, musste ich nur sicherstellen, dass der Hintergrund hell genug erscheint.
Ich weiß nicht, ob ihr einen Handbelichtungsmesser dafür verwendet hättet. Am einfachsten ist es, den Kamerabelichtungsmesser in den Hintergrundbereichen zu überprüfen, die nicht zu hell oder zu dunkel sind. Wir brauchen erstmal nur eine grobe Einstellung. Dann macht man ein paar Testaufnahmen (ohne Blitz), bis man mit dem Ergebnis des Vorschaubildes zufrieden ist. Das ist ein sich wiederholender Prozess, um den Startpunkt mit den näherungsweisen Einstellungen zu finden.
Dann fügen wir den Blitz hinzu. Wir brauchen f3.5 @ 800 ISO an Blitzlicht.
Es gibt hier zwei Möglichkeiten:
- manuellen Blitz, bei dem man besser einen Handbelichtungsmesser verwendet, anstatt immer wieder zu schätzen und das Display anzusehen
- TTL-Blitz, bei dem man der Technik erlaubt nah an die korrekte Belichtung heranzukommen und dann die Belichtung nach oben oder unten zu korrigieren, je nachdem, was die Kameravorschau anzeigt. Es ist ein bisschen mehr ein Ausprobieren, als das Arbeiten mit manuellem Blitz und einem Belichtungsmesser, aber es funktioniert und man findet die richtige Belichtung ziemlich schnell. Wenn man seine Position und den Winkel verändert, dann ist es jedenfalls die flexibelere Methode, als mit manuellem Blitz.
Super einfach.
Innerhalb eines Bereiches von verschiedenen Einstellungen bekommt man gute Fotos. Wenn 1/125 @ f3.5 @ 800 ISO in diesem Fall gut funktioniert hat, dann wären auch Bilder gut geworden, bei denen der Hintergrund bis zu 2 Blenden heller ist, oder 1 Blende unterbelichtet. Es gibt hier einen weiten Spielraum, innerhalb dessen die Ergebnisse funktionieren, da das Model, verglichen mit dem Hintergrund, in der Dunkelheit/im Schatten steht. Und wir haben einen großen Freiraum, was als großartige Belichtung für den Hintergrund passen könnte.
Man selbst entscheidet, was man macht und erreichen möchte. Es gibt mehrere Möglichkeiten.
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Bei diesem Beispiel ist es eine ähnliche Herangehensweise:

Ich wollte den Abendhimmel und ein bisschen von den Details im Hintergrund mit einfangen.
Einstellungen: 1/250 @ f3.5 @ 500 ISO
Lichtführung: Q-flash T5D-R, im TTL Modus, mittlere Softbox von links.
(Auch hier hätte ein Systemblitz wieder gereicht.)
Wenn man on location arbeitet, fängt man unveränderlich mit der Bleichtungsmessung für den Hintergrund an. Egal, ob man ihn unterbelichten oder heller erscheinen lassen möchte. Das hängt von einem selbst ab. Aber es ist der Startpunkt, um herauszufinden, wie das Umgebungslicht mit dem Blitz ausbalanciert werden muss. Man beginnt beim Umgebungslicht.
Bei diesem Beispiel also,
- man arbeitet den Hintergrund mit den Grundeinstellungen für die Beichtung heraus.
- man belichtet für den Hintergrund und fügt dann das Licht vom Blitzgerät hinzu (ob nun manuell oder mit TTL), um das Objekt richtig zu belichten.
Wenn ich mit manuellem Blitz gearbeitet hätte, hätte ich einen Handbelichtungsmesser für die Einstellung des Blitzes benutzt, um ihn für meine gewählte Blende und ISO einzumessen. Für diese eine Distanz hätte ich mein Licht eingemessen gehabt.
Der Knackpunkt dabei ist, dass eine Vielzahl von verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten eine zufriedenstellende Belichtung für den Hintergrund bringen können. Alle Fotos würden zwar unterschiedlich aussehen, aber sie würden alle funktionieren.
Und das sollte einem schon genügend Freiheiten geben!
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Gehen wir noch einmal zum Anfang des Artikels zurück.:
Es ist ein gutes Rezept, wenn gleich viel Licht auf das Objekt und den Hintergrund fallen, den Hintergrund um beispielsweise 1 Blende unterzubelichten und dann das Objekt mit dem Blitz wieder hochzuziehen.
Bei dieser industriellen Location sollte das Model, Toni, überschwänglich hochspringen. Auf dem Foto ist das Umgebungslicht bereits um eine Blende unterbelichtet. Wie man sehen kann, ist das Licht weich, aber ungleichmäßig. Perfekt, um mit einem Blitz mehr Kontrolle über Richtung und Qualität des Lichtes zu erzeugen.

Einstellungen: 1/320 @ f4 @ 400 ISO
Mit dem Blitz bekam ich dieses unecht wirkende, wenn nicht sogar surreale Bild:

Einstellungen: 1/250 @ f4 @ 400 ISO
Lichtführung: Q-flash T5D-R, im TTL Modus, mittlere Softbox von links.
Auch in diesem Fall habe ich TTL-Blitz verwendet, da er einfacher ist. Mit einem manuellen Blitz wäre die Bilderserie gleichartiger geworden. Das ist die eigene Entscheidung.
Bei allen Beispielen war der Startpunkt das Umgebungslicht und die Entscheidung, wie man es belichtet.
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Klickt auf diesen Link, um mehr Informationen über die verwendeten Softboxen und das Zubehör in diesen Beispielen zu bekommen.
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Zurück zu der Frage, die diesen Artikel angespornt hat. Angelo aus Australien schrieb:
Hallo Neil
Zuerst muss ich loswerden, was für ein gut geschriebenes und technisches Buch du über Aufsteckblitze herausgebracht hast. Wie viele andere Leser, habe ich das Buch zwei mal durchgelesen. Bei jeder Gelegenheit habe ich etwas Neues über Blitzfotografie gelernt. Meine Frage bezieht sich auf einen technischen Aspekt “Wie hast du das gemacht”. Schritt für Schritt, bitte!!!
Ich verstehe die Theorie, was du zu erreichen versuchst, bin aber verloren, wenn ich es selbst praktisch ausprobiere. Ich meine damit, wie hast du den Hintergrund gemessen (Umgebungslicht), dass es korrekt auf der Belichtungsanzeige angezeigt wurde. Unter/über 1.7 Blenden (Canon).
Angenommen man befindet sich in einer Kirche für eine Hochzeit oder Kommunion. Die Kirche hat verschiedenfarbige Fenster (z.B. gelb, rot, orange etc.), die beides bedeuten: farbiges und natürliches Umgebungslicht. Ein paar Glühlampen kommen auch noch hinzu. Wenn du das Umgebunglicht misst, wie machst du es dann? Belichtest du 1-2 Blenden unter und bounct dann den Blitz von der Wand etc.? Ich weiß, das klingt diffus, aber lass mich das vertiefen.
In deinem Buch auf Seite 42, Abbildung 7-3 befindet sich meine oben erklärte Location.
Muss ich …
* das Brautkleid, Gesicht, Wand und den hellsten relevanten Ton messen?
* 1-2 Blenden unterbelichten?
* die Blitzbelichtungskompensation einstellen?
* ein Testbild machen und am Display beurteilen?
* die Blitzbelichtungskompensation nachjustieren und am Display beurteilen?
Okay, ich glaube wir haben den ersten Teil von Angelos Mail genug vertieft.
Jetzt zu dem Foto aus dem Buch, welches er anspricht:

Das war für eine Veranschaulichung, wie die Verschlussvorhänge die möglichen Verschlusszeiten beeinflussen, um die Blitzsynchronzeit zu ermitteln. Das wird teilweise in diesem Artikel beschrieben über das Verständnis für die maximale Blitzsynchronzeit.
Angelo, der Grund für den Umweg, um zu deiner Frage zurückzukommen, ist, weil du denkst, das Foto wäre mit TTL-Blitz und wahrscheinlich gebounctem Blitz entstanden.
In diesem Fall und bei allen formellen Fotos, die bei einer Hochzeit in Räumen entstehen, benutze ich entfesselte Blitze mit Durchlichtschirmen. Ich verwende die Blitze dann im manuellen Modus. Der Link geht tiefer auf das Thema ein. Sieh ihn dir mal an.
Deshalb habe ich auf deine Frage mit der Erklärung begonnen, wie ich normalerweise Blitz- und Umgebungslicht ausbalanciere. Aber das bezieht sich nicht auf das von dir genannte Foto.
Bei so einem Set-up, wie bei diesem Foto (manueller Blitz bei formellen Hochzeitsfotos), verlasse ich mich meistens auf die Verschlusszeit, um mehr Umgebungslicht einzufangen. Beim manuellen Blitz ist die Verschlusszeit die einzige unabhängige Kontrollmöglichkeit für das Umgebungslicht.
Damit sollten deine Fragen gründlich beantwortet sein, auch wenn noch ein paar Pünktchen noch fehlen. Probier mal aus, ob jetzt alles einen Sinn ergibt. : )
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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause
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Hallo!
Ich hätte bitte eine Frage dazu:
Verwnedet man da i-TTL Standard oder i-TTL BL?
Ist mir nicht ganz klar, weil ja eigentlich immer zuerst eine Gegenlichtsituation gemacht wird (Hintergrund 1-3 Blenden dunkler gemacht). Das spricht FÜR BL.
Auch weil natürlich das Umgebungslicht dadurch sehr wichtig ist.
Allerdings ist ja sobald der Hintergrund unterbelichtet wird der Blitz die Hauptlichtquelle. Das spräche ja wieder für i-TTL Stnadard oder?
Vielen Dank.
If necessary I could write it in English too.
Thanks a lot.
Hallo,
wenn der Blitz die Hauptlichtquelle ist, wie in allen Beispielen oben, dann ist das “einfache” TTL besser, da das TTL BL für solche Situationen gedacht ist, bei denen der Hintergrund heller ist und der Blitz nur als Füllicht die Schatten etwas anheben (z.B. dunkle Augenhöhlen etc.), aber nicht als Hauptlichtquelle fungieren soll.
Beim normalen TTL messen Kamera und Blitz unabhängig voneinander die Belichtungssituation und kommunizieren dann miteinander. Beim TTL BL kommunizieren Blitz und Kamera schon während der Messung und die Gesamtsituation wird ausbalanciert. Beim normalen TTL lassen sich also Umgebungslicht und Blitzbelichtung viel extremer voneinander trennen, um einen gewünschten Beleuchtungseffekt zu erzielen.
Ich weiß nicht, ob Neil nicht doch manchmal TTL BL nutzt, da er die Blitzkompensation bei Füllblitzen weit herunterregelt. Bei Canon z.B. ist das ja auch die einzige Möglichkeit, da es bei “denen” kein BL gibt.