Wirkungsvolle on-location Portraits

by Neil vN on March 22, 2010

Wenn ich jemanden on-location fotografiere, verlasse ich mich auf eine einfache aber wirkungsvolle Methode, die mir am Ende gutaussehende Portraits garantiert. Die Methode Schritt für Schritt erklärt:

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1. Einen guten Hintergrund finden

Der Hintergrund kann unverworren und einfach sein und als schlichte Kulisse dienen, oder er kann ein Muster oder interessanter detailreicher Hintergrund sein. Er muss nur irgendwie das Objekt ergänzen.

Genauso wichtig ist es, auf die Ränder der Komposition zu achten. Man sollte sorgfältig darauf achten, was man mit in die Komposition einbezieht und auch was man davon ausschließt. Vermeidet Dinge, die die Aufmerksamkeit vom Objekt ablenken. Wenn der Hintergrund nervös wirkt, versucht das Bild so zu gestalten, dass der Hintergrund das Objekt akzentuiert. Oder dass der Hintergrund ein Muster mit sich wiederholenden Formen ergibt.

Nimm den Hintergrund aus dem Fokus… zumindest zu einem bestimmten Grad.

2. Das Licht beachten

Das letze Foto hier, ist das einzige, bei dem nur vorhandenes Licht verwendet wurde. Ich habe aber bei allen vier Bildern darauf geachtet, dass das Model Anelisa vor dem Hintergrund in gleichmäßigem Licht positioniert ist. Keine harten Schatten vom Sonnenlicht und keine fleckigen Lichtmuster.

Bei den ersten drei Fotos habe ich nach einer Stelle gesucht, an der ich Anelisa vor einen helleren Hintergrund stellen konnte. Dann habe ich die Belichtung für den Hintergrund ermittelt, was nach sich zog, dass sie unterbelichtet war. Mit einem manuellen Blitz in einer Softbox habe ich sie dann wieder korrekt aufgehellt. Das Umgebungslicht auf ihr ist dadurch ein bis zwei Blenden unterbelichtet.

Durch die Verwendung von Blitz & Softbox konnte ich die Richtung und Qualität des Lichtes auf ihr steuern und natürlich die Belichtung von ihr und dem Hintergrund ausbalancieren, so wie ich es wollte. Kurz gesagt, ich hatte relativ viel Kontrolle darüber, wie hell der Hintergrund im Verhältnis zu ihr sein würde. Im zweiten Foto (S/W) zum Beispiel hätte ich mich dazu entscheiden können, den Hintergrund etwas heller zu machen. Oder auch etwas dunkler. Das gleiche gilt auch für das erste Foto. Ich wollte aber den Hintergrund genau so “hell”, wie er ist und habe dafür die Belichtung des Models wieder angehoben (via Blitz & Softbox).

Wenn ich für alle Fotos nur verfügbares Licht hätte verwenden wollen, dann hätte ich immer sorgfältig auf die Qualität des Lichts achten müssen, welches auf sie fällt und wie ich sie dann positioniert hätte. Durch den Einsatz eines Blitzes (in einer Softbox) hat man sehr viel mehr Spielraum in dem, was man tun kann.

3. Komposition

Alle diese Fotos haben eine mittige Komposition. In diesen Fällen war das eine spezielle Entscheidung. Ich möchte wirklich nicht in diese Geradlinigkeit verfallen, mechanisch meine Fotos nach der Drittelregelung (oder auch ‘der goldene Schnitt’) im Kopf zu komponieren. Verwendet in meiner Gegenwart bloß nicht das Wort “Regel”!

Ich will instinktiv auf das reagieren, was ich sehe und meine Komposition danach ausrichten. Das bedeutet, dass ich auch Fehler mache, die mir in der Nachbearbeitung deutlich auffallen. Ich kippe Bilder für einen kompositorischen Effekt, aber machmal schleicht sich die Schieflage auch ein, weil ich beim Fotografieren nicht vorsichtig genug bin. Das ist etwas, woran ich arbeiten und mich während des Shootings selbst korrigieren muss.

Diese Fotos wurden nicht nur mit einer mittigen Positionierung gemacht, das zweite und dritte Bild waren auch so gestellt, dass sie geradlinig vor der Kamera steht. Wenn es aber funktioniert, dann funktioniert es.

4. Die eigene Position

Es geht darum, wie man sich selbst in den drei vorhergenannten Gedanken -Hintergrund, Licht und Komposition- einbringt und ins Gleichgewicht bringt. Wenn man seine Position ändert, dann ändert sich auch das Verhältnis vom Model zum Hintergrund. Man verändert die Komposition und damit oft auch das Licht, wie es auf das Objekt trifft.

Nehmen wir zwei Extreme als Beispiel: Wenn man mit dem Licht auf gleicher Linie steht, welches auf das Objekt trifft, dann ist es flach und gleichmäßig. Steht man hinter dem Objekt, bekommt man eine Silhouette.

In kürze nochmal: Denkt darüber nach wie eure eigene Position die Komposition, Lichtführung und den Hintergrund verändert.

Weitere Details zu den Fotos…

1/250 @ f4 @ 200 ISO

Nikon D3 // Nikon 70-200mm f2.8 AF-S VR II (B&H) @ 82mm // Q-flash im manuellen Modus

Nachbearbeitung:

mehrere Ebenen mit geringer Deckkraft und verschiedenen Ebenenmodi; Verwendung von Imagenomic Portraiture, und Topaz Adjust (Spicify)

Hier ist das Testbild ohne Blitz zur Ermittlung der Belichtung für den Hintergrund:

1/250 @ f4.5 @ 200 ISO

Nikon D3 // Nikon 70-200mm f2.8 AF-S VR II (B&H) @ 150mm // Q-flash im manuellen Modus

Nachbearbeitung:

mehrere Ebenen mit geringer Deckkraft und verschiedenen Ebenenmodi; Verwendung von Imagenomic Portraiture und Nik Color Efex Pro 3 (Glamour Glow / B&W Conversion)

1/250 @ f4 @ 200 ISO

Nikon D3 // Nikon 70-200mm f2.8 AF-S VR II (B&H) @ 160mm // Q-flash im manuellen Modus

Nachbearbeitung: eine hervorragende Aktion in Photoshop, die ich manchmal benutze.

1/1000 @ f3.2 @ 200 ISO

Nikon D3 // Nikon 70-200mm f2.8 AF-S VR II (B&H) @ 155mm // nur verfügbares Licht

Nachbearbeitung:

mehrere Ebenen mit geringer Deckkraft und verschiedenen Ebenenmodi; Verwendung von Imagenomic Portraiture, Topaz Adjust (Spicify) und Nik Color Efex Pro 3 (Glamour Glow)

Und für diejenigen, die sich darüber beschweren, dass zuviel Photoshop verwendet wird, ist hier eine Datei direkt aus dem RAW-Converter (mit etwas Korrektur der Hauttöne).

Zum Schluss ein Dankeschön an Alex, die beim Shooting dabei war und an Jessica, die assistiert hat. Und natürlich an das fantastische Model Anelisa.

Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

{ 1 trackback }

Blitz & Umgebungslicht – ein Foto nachbauen — Tangents - die deutsche Übersetzung
April 13, 2010 at 4:37 pm

{ 2 comments… read them below or add one }

1 Dr. Hartmut Ehmsen April 20, 2010 at 7:42 pm

Ich finde die vorliegenden Beiträge über Blitztechniken und Lichtführung sehr
gut und wünsche weitere Beiträge. Verfolge Ihre verständlichen Beiträge !!!
Eine Frage hätte ich noch: Benutzen Sie auch die Blitzsynchronisation auf den
2. Verschlußvorhang Slow + Rear ? Wenn ja, wie funktioniert das im manuellen
Modus?
Vielen Dank für eine baldige Antwort
H. Ehmsen

2 Michael Krause April 22, 2010 at 2:38 pm

Zum einen gibt Neil eine kurze Erklärung zur Synchronisation auf den 1. & 2. Verschlussvorhang in seinem Buch, wofür aber kein Equivalent auf seinen Seiten existiert. Zum anderen gibt es einen Artikel “wann man nicht auf den 2. Vorhang synchronisieren sollte”, der nur auf Englisch ist. Aufgrund des Interesses werde ich ihn in kürze übersetzen, so dass er zeitnah hier erscheint.

Die kurze Antwort vorab. Ist die Verschluszeit lang und sollten sich Personen bewegen und das auch noch parallel auf der Fokusachse, also bsplw. von links nach rechts, dann zwingt sich die Synchronisation auf den 2. Vorhang auf, da somit die Schattengebilde durch die lange Belichtung hinter der Person liegen. Für statische Motive, insbesondere Portraits, empfiehlt sich die Synchronisation auf den 1. Vorhang, da die Messblitze, die ja trotzdem zu Beginn des Auslösens stattfinden, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Person(en) blinzeln müssen. Der eigentliche Aufhellblitz erwischt dann unter Umständen den Möment, in dem die Person durch den Vorblitz die Augen geschlossen hat.

Eingestellt wird das bei Nikon an der Kamera und bei Canon am Blitzgerät, egal ob im manuellen oder Programmbetrieb.

Nachtrag: Der Artikel über die Synchronisation auf den 2. Vorhang ist fertig!

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