
Ausbalancieren von Blitz und verfügbarem Licht/Umgebungslicht
Da viele der Fragen auf dem Tangents Blog auf das Ausbalancieren von Blitz und Umgebungslicht abzielen, möchte ich die Antworten in einem einzigen Artikel sammeln und einen Referenzpunkt schaffen, statt der über diese Seiten verteilten Antworten.
Die Fragen drehen sich meistens um:
- Belichtungsmessung fürs Umgebungslicht,
- Belichtungsmessung für TTL-Blitz und Umgebungslicht,
- ob man manuellen oder TTL-Blitz benutzt,
- Blitzbelichtungskompensation (FEC),
- die Wahl der Blende,
- maximale Blitzsynchronzeit,
- Belichtungsmessung für entfesselte Blitze und Umgebungslicht,
- die Wahl der Einstellungen, um manuellen Blitz und das Umgebungslicht auszubalancieren,
- ob man die Verschlusszeit zieht oder nicht.
Die Antwort auf die Frage, wie man einen Blitz und das Umgebungslicht ausbalanciert fällt oft in den Bereich von “es kommt darauf an”. Es hängt wirklich ab von:
- dem vorhandenen Szenario und
- dem, was man erzielen möchte.
Das klingt jetzt alles noch sehr vage. Wenn man gesagt bekommt, man könne alles machen, was man möchte, dann ist das nicht so hilfreich, wenn man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Die meisten Antworten sind mit den Artikeln oben verlinkt und auf der Seite meiner Top 20 Tipps für die Blitzfotografie zu finden.
Sehen wir uns mal ein spezielles Foto an und analysieren die Möglichkeiten und versuchen einen Sinn in die Sache zu bringen…
Ich habe ein einfaches Portrait ausgesucht, damit die Sachen offenkundiger werden, die wir bedenken und angleichen müssen.
Ein guter Ausgangspunkt:
Wie ich neulich in meinem Artikel über wirkungsvolle on-location Portraits geschrieben habe, ist mein Ausgangspunkt meistens eine Kombination aus:
- dem Finden eines interessanten oder neutralen Hintergrundes,
- dem Positionieren meines Objektes vor/in Relation zu einem Hintergrund, damit optisch alles zufriedenstellend aussieht.
Wie weiß man, dass es optisch zufriedenstellend ist?
Nun, das ist eine Sache der Interpretation und macht jeden Fotografen einzigartig. Wie auch immer, ein guter Anfang in Bezug auf die Komposition, ist es, alles Störende zu beseitigen, was nicht zum fertigen Bild beiträgt. Seht auch auf die Ränder des Bildausschnitts. Was man vom Bild ausschließt ist genauso wichtig, wie das, was man mit einbezieht. Oft ist die bessere Wahl die Komposition zu vereinfachen. Beseitigt das Wirrwarr!
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Belichtungsmessung:
Wenn ich on-location mit einem Model oder Pärchen arbeite, achte ich darauf, dass sie in einem gleichmäßigen Licht stehen. Es ist eben einfacher, wenn keine harten Schatten auf dem Gesicht liegen oder fleckiges Licht, zum Beispiel. Es macht das Arbeiten einfacher. Wer abenteuerlustig ist und eine klare Vorstellung verfolgt… und stark ungleichmäßiges Licht braucht (oder damit umgehen kann)… okay. Aber der einfachere Weg, bei dem man selbst kontrolliert wie das Licht auf das Model fällt, macht die Arbeit leichter. In Bezug auf unserer Möglichkeiten wird es einfacher, den Blitz und das Umgebungslicht auszugleichen.
Wenn das Model nun vor einem interessanten/zweckdienlichen/neutralen Hintergrund positioniert ist und kein ungleichmäßiges Licht herrscht, fangen wir beim Hintergrund an.
Wie belichtet man für den Hintergrund?
Man kann mit einem Handbelichtungsmesser arbeiten und den Hintergrund einmessen. Das wäre bei einem Hintergrund wie diesem hier aber unmöglich – fleckig sonnenbeschienende Blätter. Einfacher geht es mit dem kamerainternen Beilchtungsmesser. Man muss sich nur entscheiden, wie der Hintergrund erscheinen soll. Will man ihn etwas überbelichtet? Will man vielleicht ein luftiges Sommerambiente? Oder sucht man nach einem high-key Effekt? Oder will man sogar überbelichten um Details in einem ablenkenden Hintergrund zu verlieren? Die Wahl liegt bei einem selbst.
Bei dem Beispiel oben habe ich durch den Sucher geschaut und die Kameramessung zeigte +0.7 Blenden Überbelichtung an. Ich hätte auf die Nullstellung runterregeln oder noch mehr überbelichten können, oder auch unterbelichten. In diesem Fall mochte ich aber die leichte Überbelichtung im Vergleich zur Nullstellung.
Das Foto oben habe ich während eines individuellen Workshops/Anleitungskurses gemacht. Zum Vergleich ist hier ein anderes Foto, gemacht von Natalie Licini.

Hierbei haben wir das Umgebungslicht darauf abgestimmt, wie wir den Himmel erscheinen lassen wollten. Wir wollten einen leicht ominös aussehenden Himmel, indem wir ihn unterbelichtet und dann das Model mit einem Blitz knackig und korrekt aufgehellt haben.
Die Wahl, wie man den Hintergrund einmisst, hängt also wirklich von seinem eigenen Ziel ab.
Es gibt aber auch Grenzen. Man kann nicht so weit überbelichten, dass auch das Model überbelichtet ist. (Das sollte aber ein verständliches Limit sein.) Vereinfacht gesagt, gibt es zwei Szenarien:
- man belichtet korrekt auf das Objekt (und verwendet dann einen Füllblitz), oder
- man unterbelichtet das Umgebungslicht und das Objekt und benutzt dann einen Blitz, um das Model korrekt wieder aufzuhellen.
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Was man mit der Blitzbelichtung machen muss:
1. Wenn man nur einen Füllblitz braucht
Mit anderen Worten, man hat bereits eine korrekte Belichtung für das OBJEKT, unabhängig vom Hintergrund, dann muss man den Blitz um ca. 2 Blenden darunter einstellen, oder auch 3. Irgendwo in diesem Bereich.
Wenn man sich für einen manuellen Blitz entschieden hat, misst man den Blitz für 2 bis 3 Blenden (oder irgendwo in diesem Bereich) weniger ein, als man die Kamera für die Belichtung des Hintergrundes eingestellt hat. Wenn man beispielsweise die Einstellungen bei f4 @ 100 ISO (wie in dem Foto ganz oben) gefunden hat, dann stellt man den Blitz so ein, dass der Belichtungsmesser eine Blende von f2 (oder nahe bei f2) angibt, um korrekt zu belichten. Andersherum: bei f4 (wie im Beispiel oben) würde der manuelle Blitz unterbelichten.
Wenn man jetzt aber einen TTL-Blitz einsetzt, würde die Blitzbelichtungskompensation bei -2 bis -3 EV liegen. Man muss bei TTL auch ein paar Dinge im Hinterkopf behalten. Die Tonalität/Reflektivität des Objektes/der Szene beeinflusst die Belichtung. Man sollte auch nicht vergessen, dass die meisten Kameras bei TTL unterbelichten, wenn der Hintergrund stark ausgeleuchtet ist. Wenn man also denkt 0 EV wären nötig, dann wird es etwas wie +1.3 EV sein. Oder man möchte den Blitz 2 Blenden unter “normal” haben, würde aber noch weniger Licht bekommen, aufgrund des starken Hintergrundlichts. Dann würde -1 EV wahrscheinlich das gleiche Licht ergeben, wie -2 EV in anderen Situationen.
2. Wenn man den Blitz als Hauptlicht braucht:
Ein anderer Ansatz für den Umgang mit Blitz und Umgebungslicht, ist es, vorsätzlich das Objekt unterzubelichten… um eine Blende oder mehr. Dann verwendet man den Blitz um wieder korrekt zu belichten. Genauso wichtig: Man verwendet den Blitz um großartiges und gerichtetes Licht zu erzeugen. Hier sind zwei Artikel, die den Entscheidungsprozess beschreiben:
- Ausbalancieren von Blitz und Umgebunglicht – wo fängt man nur an?
- Belichtungsmessung für manuellen Blitz mit einer Softbox.
Wenn wir uns für ein unterbelichtetes Model entschieden und den Blitz benutzt hätten, um es im Vergleich zum Hintergrund wieder korrekt zu belichten, dann wäre der Blitz die dominante Lichtquelle gewesen.
Beim manuellen Blitz ist es am einfachsten einen Belichtungsmesser zum Ermitteln der korrekten Blitzbelichtung zu verwenden.
Beim TTL-Blitz wäre die FEC im Bereich von 0 EV. Bei einem hellen Hintergrund läge sie wohl eher bei +1 EV oder sogar höher. Vielleicht +1.3 EV. Man muss das Kameradisplay überprüfen, um das herauszufinden. (Das heißt, man stellt die Belichtungswerte danach ein, wie man den Hintergrund erscheinen lassen möchte.) Auch wenn TTL eine schnelle und einfache Arbeitsweise zu sein scheint, würden die Ergebnisse nicht so vorhersehbar sein wie bei manuellem Blitz. Man muss die Vorschau überprüfen um die korrekte Belichtung zu ermitteln und höchst wahrscheinlich die FEC justieren. Und natürlich auf die Reserven der RAW-Datei bauen, um Unzulänglichkeiten auszubügeln. .
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Kommen wir wieder zum Ausgangsfoto zurück…

Wir waren dort angelangt, nur einen Hauch von Füllblitz auf dem Model Tia zu benötigen. So, wie wir sie positioniert haben, fiel offenes Licht auf ihr Gesicht und wir brauchten nur einen zarten Kuss von Füllblitz, um die Schatten auf ihrem Gesicht anzuheben.
meine finalen Einstellungen: 1/250th @ f4 @ 100 ISO
Ausrüstung: Nikon D3; Nikon 70-200mm f2.8 VR II (B&H); off-camera Nikon SB-900 (B&H)
Lichtformer: wie hier beschrieben – Systemblitze und Softboxen
Die Wahl der maximalen Blitzsynchronzeit sollte eine offensichtliche Wahl sein. Da ich die PocketWizard Plus II benutzt habe, konnte ich nicht über die max. Blitzsynchronzeit hinaus gehen. Aus verschiedenen Gründen ist die maximale Blitzsynchronzeit der effektivste Punkt beim Blitzen in heller Umgebung. Verkürzt, die max. Blitzsynchronzeit bietet die größte Effizienz des Blitzgerätes, indem sie die größtmögliche Blende erlaubt ohne in die Kurzzeitsynchronisation (FP/HSS) zu wechseln. Das erklärt auch, warum dieses Szenario hier das komplette Gegenteil zu einer Situation ist, bei der man die Verschlusszeit ziehen würde. Die Verschlusszeit zu ziehen kommt hier nicht in Frage, da wir in hellem Licht arbeiten.
Bei diesem Beispiel haben wir einen manuellen Blitz in einer Softbox verwendet. Die Belichtung durch den Blitz lag weit unterhalb der für den Hintergrund. Der entfesselte Systemblitz war auf manuell gestellt und in einer Softbox.
Das ist das selbstbestimmte Resultat. Wir hätten uns auch für eine andere Herangehensweise entscheiden und den Hintergrund anders belichten können und dann sehen müssen, was wir mit dem Blitzgerät anstellen müssen. Die Auswahlmöglichkeiten sind groß.
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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause
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