
Für einen Beitrag eines Halbgastes, dachte ich mir, ich nehme ein Foto von meinem Freund Josh Lynn, und baue die Lichtführung nach. Indem wir es hier unter die Lupe nehmen, versuchen wir den Aufbau zu entschlüsseln. Dafür haben wir natürlich die Hilfe von Josh selbst und die EXIF-Daten.
Josh ist ein Hochzeitsfotograf aus New Jersey – aber das Foto vom Model Danielle ist bei einem Fotoshooting neulich in Manhattan entstanden. Josh hat dabei einer Gruppe von Fotografen ein paar Techniken zur Lichtführung demonstriert.
Lasst uns also sehen, was wir herausfinden können…
1. Richtung des Lichts.
Wenn man sich das Foto ansieht, dann ist als erstes herauszufinden, aus welcher Richtung das Licht kommt. Es ist offensichtlich, dass Josh irgendein zusätzliches Licht benutzt hat. Das Hauptlicht kommt linksseitig von der Kamera. Man kann ziemlich gut einschätzen, wie hoch das Licht aufgestellt sein musste, indem man sich ansieht, wie die Schatten fallen. Als erstes würde ich auf das Gesicht des Models schauen und nachsehen, wie der Schatten der Nase auf das Gesicht fällt. Der gibt uns einen guten Anhaltspunkt, wie das Licht aufgestellt war.
2. Farbbalance.
Als nächstes zeigen die kräftigen Farben, dass Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbbalance eingesetzt waren. Aus Erfahrung würde ich sagen, dass eine Kunstlichtquelle auf das Model gerichtet war, was dazu führt, dass das Tageslicht im Hintergrund im Vergleich dazu bläulich wird. Der Farbunterschied ließe sich dadurch erklären. Das Gesicht hat eine angenehme Wärme, aber wechselt stark zu blau.
3. Blitz mit Farbfolie oder Videolicht?
Da wir nun den dringenden Verdacht haben, dass das Model mit einer Kunstichtquelle beleuchtet wurde, müssen wir herausfinden, was Josh genau als Lichtquelle benutzt hat – Videolicht oder einen Blitz. Videolicht tendiert dazu, einen starken Lichtabfall an den Seiten zu haben, wie ein Spot auf dem Model. Das Licht auf Danielle ist weiter gestreut, als man es von einem Videolicht bei unbewegten Motiven gewohnt ist. Also würde ich vermuten, dass Josh hier einen Blitz benutzt hat… was er auch bestätigt hat. Er sagte auch, dass er eine der Farbfolien benutz hat, die bei dem Nikonblitz dabei waren, um das Licht auf Kunstlicht zu ändern.
4. Lichtformer auf dem Blitz?
Dann können wir herausfinden, ob Josh eine Softbox oder irgendeinen anderen Lichtformer benutzt hat. Der Lichtabfall zu den Schatten deutet darauf hin, dass hier keine Softbox verwendet wurde. Ich habe schon mit Josh zusammen gearbeitet, also weiß ich, dass er bevorzugt einen nackten Blitz einsetzt. Er meinte dazu, dass er einen direkten entfesselten Blitz benutzt hat. Der Blitz war auf einem Einbeinstativ und wurde von einem anderen Fotografen hoch gehalten.
5. Kamera- und Blitzeinstellungen.
Beim Ansehen des Fotos scheint es einen Lichtschacht vom Sonnenlicht zu geben, der hinter das Model fällt. Im Schaufenster kann man auch die Spiegelung der Sonne erkennen. (Josh hat bestätigt, dass der helle Fleck im Fenster die Sonne ist und keine Reflektion eines anderen Blitzes.) Davon kann man ableiten, dass der Lichtschacht ziemlich hell war. Das Model steht im Schatten. Das muss eine bewusste Platzierung des Models gewesen sein, um gleichmäßiges Licht auf ihr zu haben, um dann zusätzliches Licht zu verwenden.
Das alles impliziert, dass nahe an der maximalen Blitzsynchronzeit, mit einer niedrigen ISO und kleiner Blende gearbeitet wurde. Das hätte das Model unterbelichtet… welches dann wieder durch einen entfesselten Blitz angehoben werden könnte.
Das ist der Zeitpunkt, an dem ein Blick auf die EXIF-Daten sinnvoll ist, um die Einzelheiten zu klären:

Und da haben wir es… Josh hat mit der maximalen Blitzsynchronzeit fotografiert. Für diese Wahl gibt es gute Gründe.
Die ISO war auf 400 .. und die Blende bei f10 … was eine ziemlich kleine Bende ist. Ich persönlich hätte die ISO um eine oder zwei Blenden heruntergenommen, um eine mittlere Blende zu verwenden. Aber das sind individuelle Aspekte, die jeden Fotografen mit seinem persönlichen Stil verbinden.
6. TTL-Bitz oder manueller Blitz?
Die EXIF sagt uns noch etwas. Dass nämlich kein Blitz ausgelöst wurde. Das bedeutet, dass kein TTL-Blitz verwendet wurde, sondern der entfesselte Blitz mit einem drahtlosen Sender, wie einem Pocketwizard Plus II gezündet wurde. Das würde bedeuten, dass Josh einen manuellen Blitz benutzt hat. Bei den Nikonblitzen ist es sehr einfach den Automodus zu benutzen. Wie auch immer, es hat hier Sinn gemacht einen manuellen Blitz einzusetzen.
Und schon haben wir das fertige Foto. Basierend auf einer Belichtung für den Hintergrund (Umgebungslicht), benutzt man einen Blitz, um das Objekt/Model im Vordergrund korrekt zu belichten.
Während der letzten Wochen gab es hier einige sich wiederholende Artikel über eine Methode den Blitz mit dem Umgebungslicht in Einklang zu bringen und ich hoffe, dieses Beispiel hilft dabei zu zeigen, dass diese Methode auch in einem anderen Szenario funktioniert.
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Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause