Bei TTL-Blitz (oder E-TTL, wie Canon ihre Art davon bezeichnet) arbeiten die Kamera und das Blitzgerät mittels verschiedener Algorithmen zusammen, um die Blitzbelichtung zu kontrollieren. Die E-TTL-Blitzbelichtung hängt dabei von mehreren Faktoren ab – der Tonalität des Objektes und der Szenerie, der Heligkeit der Szenerie und wie die Kamera die verschiedenen Sektoren im Messraster interpretiert. Andere Faktoren können sehr wahrscheinlich auch Daten vom Objektiv sein. Man kann nur schätzen, wie diese Faktoren zusammenspielen und viele Fotografen haben Zeit darin investiert, Testaufnahmen zu machen, um herauszufinden, wie die Kameras und Blitzgeräte arbeiten.
Um das Ganze noch interessanter zu machen bietet Canon zwei Modi für die E-TTL-Blitzmessung: Average und Evaluative. Diese werden am Kameragehäuse in den ‘custom functions’ eingestellt.
So wie ich das verstehe, bezieht die Canon Kamera bei der Evaluative-Blitzmessung das Umgebungslicht für die Berechnung der Blitzbelichtung mit ein. Bei der Average-Blitzmessung wird die Blitzmessung von der des Umgebungslichts abgekoppelt und das Umgebungslicht wird weniger mit einbezogen. (Ich bin bereit, dahingehend korrigiert zu werden.)
Welche Art der E-TTL-Blitzbelichtung nimmt man nun? Average oder Evaluative?
Letztendlich arbeite ich auf eine recht einfache Art und Weise…
Bei Canon benutze ich meistens die Evaluative-TTL-Blitzmessung. Dabei stelle ich die Blitzkompensation nach Geschmack ein. Ich schätze vorher die Tonalität meines Objektes und der Szenerie ein und danach schätze ich die Blitzkompensation ab, die ich benötigen würde. Danach nehme ich die Feineinstellung mithilfe des Vorschaubildes auf dem Kameradisplay vor.
Das setzt zwingend vorraus, dass man die FEC (Flash Exposure Compensation = Blitzbelichtungskompensation) ständig anpasst, während man fotografiert und die Resultate im Display betrachtet. Auslösen, überprüfen und einstellen…
Am Ende MUSS man sich daran gewöhnen, wie Kamera und Blitz reagieren, indem man sich mit seiner Ausrüstung vertraut macht und viel fotografiert. Das ist für mich der Schlüssel bei der ganzen Sache… in der Lage zu sein grob einzuschätzen wie die Kamera reagieren wird und wie das Resultat des Blitzlichts aussehen könnte. Das kommt mit der Erfahrung und vom häufigen Fotografieren von allein.
Der grundsätzliche Ansatz:
Bleib beim Average-TTL-Blitz, wenn der Blitz die dominierende Lichtquelle ist!
Wechsel zur Evaluative-TTL-Messung, wenn der Blitz nur als Füllblitz dienen oder in einem Verhältnis zum Umgebungslicht stehen soll!
Dieser Ansatz wird allgemein auf verschiedenen Webseiten und in Foren vertreten und ist der, den ich mit meinen Canon 5D, 1D mk II, 1D mk II N und 1D mk III verfolgt habe.
Ich würde zwischen den beiden Modi wechseln und Average-TTL nehmen, wenn der Blitz die dominante Lichtquelle wäre und Evaluative-TTL, wenn ich Füllicht bräuchte oder Blitz und Umgebung in Relation zueinander wollte. Bei der D3 aber nehme ich einfach TTL BL und verfeinere die Einstellungen. Da die TTL-Blitzmessung eh von der Tonalität des Objektes und der Szene (und all den anderen Faktoren) abhängt, muss man sowieso die FEC nachregeln.
Ich benutze bei meinen Canon D-SLRs meistens die Evaluative-Blitzmessung und arbeite mit der FEC, um die Unterschiede herauszuarbeiten.
Meine Herangehensweise ist die, dass ich damit besser beraten bin, nur eine Art für den Großteil meiner Arbeit zu verwenden und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Kamera und Blitz reagieren werden. Besser das, als zwischen den Modi hin- und herzuspringen und darauf zu hoffen, dass die Kamera es schon packen wird, ohne großes Zutun von mir, dem Fotografen.
Noch einmal, das bedeutet, dass eine Vertrautheit mit einer bestimmten Kamera und dem Blitzgerät vorhanden sein muss. Hier steht, wie ich bemerkt habe, dass ich die FEC bei meinen D3 Kameras anders einstellen muss, als ich es bei der D2x und D2H getan habe… was nah dran war, wie ich es von den von mir benutzten Canon D-SLRs kannte.
Ein Beispiel – Eine Möglichkeit, bei der ich weiß, dass ich die FEC viel mehr anheben muss, ist bei einem hintergrundbeleuchteten Objekt. Das Blitzsystem von Canon scheint sehr leicht von hellem Hintergrundlicht beeinflusst zu werden, insbesondere beim Evaluative-TTL-Modus. Also würde ich in diesem Fall von Anfang an mindestens 1 EV (Belichtungsstufe/Blende) bei der FEC mehr einstellen.
Welche TTL Art ihr auch immer für die gleiche Situation verwendet, man muss die FEC verschieden einstellen… aber bekommt dennoch immer eine korrekte Belichtung wenn man:
- vorab einschätzt wieviel FEC man benötigen wird,
- ein Foto macht und es in der Vorschau beurteilt,
- und einen visuellen Entschluss fässt, wieviel mehr oder weniger Blitzkompensation man braucht.
Man muss eine gewisse Flexibilität der Technik in Kauf nehmen… als im Gegensatz zu erwarten, dass durch die minutiöse Analyse der Kamera und des Blitzes in Testumgebungen, dass man jedes Foto schon beim ersten Auslösen perfekt belichtet. Ich glaube das ist einer der Bereiche, bei denen man Gefahr läuft die Dinge über-zu-bedenken und zu erwarten, dass die Echtsituationen in einem sorgfältig vorbedachten Verhalten aufgehen… wenn es doch einfacher und besser ist, nur die FEC fortlaufend nach Bedarf zu justieren, während man fotografiert.
![]()
Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause