Synchronisation auf den ersten und den zweiten (hinteren) Verschlussvorhang
Ein Thema, das hier auf dem Blog bereits schon einmal in Kürze behandelt wurde, dreht sich um die Synchronisation auf den ersten und den zweiten Verschlussvorhang. Das wird auch in meinem Buch über Blitzfotografie behandelt.
Da es ein wichtiges Thema ist, lasst uns sehen, was es beinhaltet und wo die Unterschiede zwischen den beiden Arten einen Blitz zu Synchronisieren liegen… und warum man den einen Weg dem anderen bevorzugen könnte.
Wir haben ein großartiges Model, das uns bereitwillig zu Verfügung stand, um ein paar Vergleichsbilder zu erstellen:

(Übersetzung: Das sähe man bei der Synchronisation auf den zweiten Vorhang.)
(Die Verwendung dieser Grafiken geschieht mit dem Einverständnis meines Freundes Ulysses, einem New Yorker Hochzeitfotografen)
Zunächst müssen wir uns noch einmal die Arbeitsweise des Verschlusses ansehen – zwei Vorhänge, die sich öffnen und somit erlauben, Licht auf den Film oder Sensor fallen zu lassen. Das Zeitintervall zwischen dem Öffnen des ersten Vorhangs und dem Schließen des zweiten, bestimmt die tatsächliche Verschlusszeit… das heißt, wie lange der Verschluss geöffnet ist.

Wenn der Verschluss vollständig geöffnet ist, wird der Blitz gezündet. In diesem Beitrag müssen wir uns nicht um die maximale Blitzsynchronzeit kümmern (HSS/FP). Tatsächlich kommt HSS/FP überhaupt nicht zum Zug, wenn wir uns die Synchronisation auf die beiden Verschlussvorhänge ansehen. Die Synchronisation auf den ersten oder den zweiten Vorhang wird nur bei langen Verschlusszeiten wichtig. HSS/FP passiert bei… kurzen Verschlusszeiten.
Okay, der Blitz wird also gezündet, wenn der Verschluss komplett geöffnet ist. Bei langen Verschlusszeiten – viel längeren als bei der maximalen Blitzsynchronzeit – gibt es eine bestimmte Verzögerung zwischen der vollständig beendeten Bewegung des ersten Vorhangs und bis der zweite sich erst zu bewegen anfängt. Innerhalb dieser Verzögerung können können wir nun aussuchen, wann wir den Blitz abfeuern wollen.
Bei einer langen Verschlusszeit können wir den Blitz an zwei Stellen zünden:
- direkt wenn der erste Vorhang sich vollständig geöffnet hat
(aber der zweite Vorhang sich noch nicht in Bewegung gesetzt hat), oder
- genauuu bevor der zweite anfängt, sich zu bewegen.
Wenn man mit einer langen Verschlusszeit arbeitet, erlaubt man dem Objekt (oder der Kamera) durch Bewegung das Resultat zu beeinflussen, das beim reinen Umgebungslicht entsteht (kein Blitz). Wenn die Kamera statisch bleibt und sich das Objekt bewegt, dann wird sich die Bewegung mit einem Wischeffekt abbilden, einem Verwischen der Bewegung. Wenn man die Kamera mit der Bewegung mitführt, reduziert sich der Wischeffekt. Wenn beispielsweise jemand rennt und die Kamera bei einer langen Verschlusszeit mit der Bewegung des Objekts mitgeführt wird, dann werden der Körper und das Gesicht relativ scharf abgebildet werden… aber die Gliedmaßen werden durch die Bewegung und lange Verschlusszeit verwischt sein.
Zurück zur Entscheidung wann der Blitz auslösen sollte:
- zum Beginn der Auslösung für das Umgebungslicht
(d.h., wenn der erste Verschlussvorhang sich komplett geöffnet hat und der Verschluss offen ist), oder
- am Ende der Umgebungslichtbelichtung
(d.h., wenn der hintere Vorhang im Begriff ist sich zu bewegen und den Verschluss schließt)
Diese beiden Wege/Zeiten/Punkte, um den Blitz zu zünden, haben einen überlegungswerten Einfluss darauf, wie das Blitz- und Umgebungslicht in Relation zueinander erscheinen werden. Man beachte, dass die Wahl zwischen erstem und zweiten Vorhang KEINEN Einfluss auf die Blitzbelichtung hat oder wie die Blitz- und Umgebungsbelichtungen sich ausbalancieren. Was beeinflusst wird, ist das Timing. Wir werden noch einmal darauf zurückkommen. Erstmal sehen wir uns ein paar Diagramme an.

Bei der Synchronisation auf den ersten Vorhang zündet der Blitz am Anfang der Belichtung… das Objekt bewegt sich im Verhältnis zur Kamera (d.h., die Kamera wird nicht mitgezogen) und am Ende der Belichtung für das Umgebungslicht schließt der Verschluss einfach nur. Die Bewegung des Objekts wird als Verwischung nach außen vom von dem Blitz eingefrorenen Objekt weg erscheinen.
.

Bei der Synchronisation auf den zweiten Vorhang zündet der Blitz am Ende der Belichtung. Der Blitz löst aus, wenn die Umgebungsbelichtung abgeschlossen ist. Jetzt wird die Bewegung des Objekts als Verwischen hinter dem vom Blitz eingefrorenen Objekt erscheinen.
Der Vorteil der Synchronisation auf den zweiten Vorhang:
Wie man bei den Beispielen offenkundig sehen kann, ergibt die Synchronisation auf den zweiten Vorhang ein natürlicheres Ergebnis, wenn sich das Objekt im Verhältnis zur Kamera bewegt.
Das Verwischen hinter dem Objekt ist, wie ich die Bewegung intuitiv sehen möchte. Vielleicht ist es intuitiv, vielleicht aber auch die jahrelange Beeinflussung durch das Ansehen von Filmen, Cartoons und dem Lesen von Comics. Man will die Bewegung als einen Verschmieren hinter dem Objekt sehen und nicht als Geisterbild, das sich aus dem Objekt herausbewegt.
Der Vorteil der Synchronisation auf den ersten Vorhang:
Es scheint nun, dass die Synchronisation auf den zweiten Vorhang offensichtlich die beste Wahl für den Einsatz eines Blitzlichts bei langen Verschlusszeiten ist. Das Verwischen der Bewegung führt zum Objekt, das vom Blitz eingefroren ist. Wenn man Action fotografiert oder sowas wie tanzende Menschen, dann wird wohl die Synchronisation auf den zweiten Vorhang das Mittel zum Zweck sein.
Es gibt aber zwei Probleme beim Blitzen auf dem zweiten Vorhang:
1. Das eine Problem ist ein kleineres, bei dem der genaue Zeitpunkt der Blitzauslösung im Ablauf der Bewegung schwierig wird. Da der Sucher für die Zeit der Belichtung schwarz wird, wenn der Spiegel der SLR hochklappt, könnten wir ein wenig mit dem Timing danebenliegen, wenn der Höhepunkt der Bewegung durch den Blitz eingefroren werden soll.
2. Das zweite Problem zeigt sich, wenn man TLL-Blitz für die Personenfotografie verwendet. Bei der TTL-Blitzbelichtungsmessung schickt die Kamera mit dem Blitz einen Vorblitz aus, um das Blitzlicht einzumessen. Dieser Vorblitz wird vor dem Öffnen des Verschlusses und dem Hauptblitz (der tatsächlichen Belichtung) ausgeschickt.

Dieser Vorblitz ist bei den meisten D-SLR nicht wahrnehmbar, wenn man auf den ersten Vorhang synchronisiert. Wenn man aber auf den zweiten Vorhang synchronisiert, entsteht eine bestimmte Verzögerung zwischen den beiden Blitzen. Personen neigen dazu, als Reaktion auf den Vorblitz, zu blinzeln. Bei der eigentlichen Belichtung bekommt man dann oft Fotos, auf denen die Personen halb oder ganz geschlossene Augen haben. Das kommt tatsächlich häufiger vor, als wenn man auf den ersten Vorhang synchronisiert, bei der es keinen wahrnehmbaren Unterschied zwischen Mess- und Hauptblitz gibt.
Einsatzgebiete für die Synchronisation auf den ersten und den zweiten Verschlussvorhang:
Ich habe oft den Rat gehört, dass man bessere Ergebnisse mit der Synchronisation auf den zweiten Vorhang erzielt. Das ist aber einfach nicht wahr. Der Unterschied liegt nur im relativen Moment zwischen der Belichtung durch das Umgebungslicht und dem Blitz. Die eigentliche Blitz- und Umgebungslichtbelichtung sollte sich aber nicht verändern.
Auch ergibt die Synchronisation auf den zweiten Vorhang bei einem statischen Objekt keinen Vorteil gegenüber der, auf den ersten Vorhang.
Mein Rat ist also, dass man auf den zweiten Vorhang synchronisieren sollte, wenn man einen bestimmten künstlerischen Effekt erzielen möchte. Für den überwiegenden generellen Teil der Fotografie, insbesondere wenn man Personen fotografiert, würde ich die Standardvariante, die Synchronisation auf den ersten Vorhang, verwenden. Man reduziert wirklich die Wahrscheinlichkeit, dass Personen als Reaktion auf den Vorblitz blinzeln.
![]()
Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause