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Bokeh

Bokeh – die Qualität der Unschärfe

by Neil vN on January 10, 2009

[Das ist ein Update eines Artikels, der vorher schon einmal auf diesen Seiten erschienen ist]

Bokeh ist der Begriff, der die Qualität des unscharfen Hintergrundes in einem Foto beschreibt,

d.h. wie angenehm weich die Hintergrundbereiche aussehen. Da die Weichheit des verschwommenen Hintergrundes meistens wichtiger ist, als wie Dinge im Vordergrund veschwimmen, wird Bokeh für gewöhnlich auf einen verschwommenen Hintergrund bezogen.

Das Bokeh eines Objektivs wird durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst, die beinhalten

- den Linsenaufbau,
- speziell, wie sphärische Abweichungen korrigiert werden,
- die Anzahl der Blendenlamellen im Blendenmechanismus,
- Entfernung des Fokus,
- die tatsächlich verwendete Blende beeinflusst das Bokeh zu einem gewissen Grad ebenfalls,
- der Abstand zu den Objekten außerhalb des Fokus,
- im Falle von Nikon DC Objektiven, wie bestimmte Abweichungen selektiv hinzugefügt werden.

Das Bokeh wird immer beschrieben, subjektiv zu sein und das ist es weitestgehend auch. Wenn man aber in der Lage ist den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten/harten Bokeh zu erkennen, wird es meiner Meinung nach weniger subjektiv. Wenn man ein gutes Bokeh sieht, wird es einem auffallen; genauso bei einem schlechten.

Um zu zeigen, wie ein gutes Bokeh aussieht und was ein schlechtes ausmacht, habe ich dieses einfache Beispielbild gemacht.

Das soll keine Kunst sein, also kritisiert bitte das Foto nicht – Ich wolte diese verstreuten Gegenstände außerhalb des Fokus’ im Hintergrund.

Ich habe zwei Objektive verwendet und das Nikon 28-105mm f3.5-4.5 mit einem der besten Objektive die Nikon bietet verglichen: dem 105mm f2 DC. Das 105mm DC hat ein überragendes Bokeh, deshalb sollte es bei diesem Vergleich ziemlich offenschtlich sein, warum ich das 28-105mm in diesem Fall nicht mag.

Das ist der Bildaufbau .. meine Tochter in unserem Garten, Licht von hinten und willkürliche Sachen im unscharfen Hintergrund. Das Übersichtsfoto ist verkleinert, aber die beiden anderen sind 100% Crops, die mit nur wenig Schärfung in der D2H fotografiert wurden, beide Linsen mit Blende f5.6.

Man sollte anhand dieser Ausschnitte erkennen, dass das 28-105mm Zoom ein raues Bokeh hat ..

die Bereiche außerhalb des Fokus’ sehen irgendwie ‘drahtig‘ aus, wohingegen das 105mm DC einen sehr weich aussehenden Hintergrund hat.

Der 100% Crop vom 105mm f2 DC ..

.

.. und der 100% Crop vom 28-105mm Zoom mit den Einstellungen des 105mm ..

(Der sichtbare Teil des Geländers scheint in dem einen Foto klarer zu sein. Das war aber deshalb, weil sich meine Tochter etwas bewegt hatte und ich neu auf ihre Augen fokussieren musste. Ich habe versucht den Aufbau so gleich wie möglich zu halten, aber kleine Kinder sind nunmal nicht unlebhaft. Die Fotos sollten dennoch für einen Vergleich ausreichen.)

Wie auch immer … das war einer der Gründe, warum ich das 28-105 mm verkauft habe.

Das Bokeh war rau. Und ja, der Kunde wird es vermutlich nicht bemerken, aber ich.

.

Bokeh & Schärfentiefe

Ich sehe regelmäßig Fotografen, die eine geringe Schärfentiefe verwechseln und sie Bokeh nennen. Und noch schlimmer, nur weil sie eine geringere Schärfentiefe erreichen, es “mehr Bokeh bekommen” nennen. Ich möchte deshalb einen Punkt verdeutlichen. Geringe Schärfentiefe ist NICHT das gleiche wie Bokeh. Bokeh beschreibt die Qualität des unscharfen Hintergrundes und nicht direkt die Schärfentiefe.

Das Bokeh ist eine Funktion der Optiken und beschreibt speziell die Qualität der Bereiche außerhalb des Fokus’ – ob er weich oder rau ist. Deshalb bekommt man nicht “mehr Bokeh” indem man von Blende f5.6 auf f2 wechselt .. aber man bekommt eine geringere Schärfentiefe.

Genauso sind Begriffe wie “mehr Bokeh” nonsens. Eine Beschreibung wie “angenehmeres Bokeh” macht mehr Sinn. Aber von Blende f5.6 auf f2 zu wechseln gibt kein “angenehmeres Bokeh” … es gibt nur weniger Schärfentiefe.

Aber .. wie mir jemand erklärt hat und was größtenteils richtig ist.

Es ist richtig, dass eine bestimmte Linse bestimmte optische Merkmale über die gesamte Breite der Blendenöffnungen hat – so wie in diesen Beispielen, wie die Spitzlichter im Hintergrund wiedergegeben werden -, so gibt es auch Charakteristika, in der Regel unkontrollierte Abweichungen, die erst bei größeren Blendenöffnungen sichtbar werden: weiche Kanten, sternförmige Abbildungen, Vignettierung etc., was alles dazu beiträgt, was man als “angenehmeres Bokeh” bezeichnet.

Der Gebrauch eines anderen Objektivs mit anderen Charakteristika wird ein angenehmeres Bokeh erzeugen, als ein Objektiv mit einem rauen Bokeh. Mehr als es der Wechsel auf eine andere Blendenöffnung würde. Es bleibt also richtig, dass das Bokeh nicht mit der Schärfentiefe gleichzusetzen ist.

Es zerreißt mich innerlich, wenn Leute darüber schwärmen, wie großartig das Bokeh ihres Canon 50mm f1.4 oder Nikon 50mm f1.4 Objektivs ist .. beide sind für ihr schlechtes Bokeh bekannt. Nur weil ein Foto bei Blende f2 oder weiter gemacht wurde und der Hintergrund so weit weg und außerhalb des Fokus’ war, dass man KEIN Detail im Hintergrund mehr erkennen kann, bedeutet nicht automatisch, dass man ein tolles Bokeh hat. Man muss sich ansehen, wie das Objektiv die Bereiche außerhalb des Fokus’ umsetzt, bevor man dieses Urteil fällen kann.

Beispiele für Linsen mit großartigem Bokeh:

Canon 24-70mm f2.8

Nikon 28-70mm f2.8 and the Nikon 24-70mm f2.8

Und natürlich die Könige des Bokehs:

Nikon 135mm f2 DC

Nikon 200mm f2 VR

Canon 200mm f2 IS

(es gibt noch viele andere)

Linsen, die ein scheiß Bokeh haben, egal was man macht:

Nikon 50mm f1.4 AF-D

Canon 50mm f1.4

Nikon 28-105mm 3.5-f4.5

Canon 24-105mm f4

Autor: Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

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