03 – die Verschlusszeit ziehen

Techniken der Blitzfotografie

Blitz & Umgebungslicht | Die Verschlusszeit ziehen | Blitz bouncen

Ich möchte hier ein bisschen mehr darauf eingehen, wie man einen Blitz mit dem Umgebungslicht vermischt, so dass die Stimmung der Szene erhalten bleibt oder wenigstens, dass sich das Umgebungslicht noch in das Bild integriert.

Es ist entscheidend zu verstehen, dass sich die Verschlusszeit, in einem bestimmten Rahmen, nicht auf die Belichtung des Blitzlichtes auswirkt. Das ist der Schlüssel, der uns ermöglicht, Blitz und Umgebungslicht besser miteinander zu verschmelzen – durch die Regulierung der Verschlusszeit.

[update: Feb 29, 2008]

Nachdem ich diese Seite gelesen habe, empfehle ich auch diese Seite, wo die Technik noch einmal diskutiert wird: “Die Verschlusszeit ziehen” Nachtrag

Mit TTL werden die Kamera und der Blitz unserer gewählten Blende und ISO folgen, aber es wird sich auch auf die Belichtungsmessung (und Belichtung) des Umgebungslichtes auswirken. Also bleibt uns bequemerweise nur die Verschlusszeit, um das Umgebungslicht zu kontrollieren. Es ist absolut wichtg, das zu begreifen!

Indem man die Belichtungszeit weit genug heruntersetzt, damit sich das Umgebungslicht in die Belichtung einfügt, kann man den größten Teil der Stimmung einer Szene erhalten, ohne alles mit einem Blitz zu verstrahlen. Das nennt man ‘die Verschlusszeit ziehen’.

Sehen wir uns diese zwei Fotos an. Nicht besonders schön, aber sie veranschaulichen einen Punkt sehr deutlich.

Beide wurden nur Sekunden auseinander mit zwei D100 geschossen; jede mit der gleichen benutzerdefinierten Voreinstellung. Neben dem Verkleinern für die Website, gab es KEINE Manipulation in Photoshop… Diese Bilder sind direkt aus der Kamera und sehen doch so unterschiedlich aus.

1/15th @ F4.5 (400iso)

Exposure mode: Manual w/ Auto flash

28-70mm f2.8 AF-S

1/60th @ F5.6 (400iso)

Exposure mode: Program w/ TTL flash

24-85mmm f2.8 – f4 D

Ich habe das Bild auf der linken Seite gemacht und ein Fotograf, der für mich als Zweitfotograf arbeitet, das rechte. Wie man an den Hauttönen und dem weißen Hemd erkennt, ist die Grundbelichtung des Bräutigams bei beiden Fotos richtig. Der Unterschied resultiert aus den verschiedenen Kameraeinstellungen. Ich habe eine viel längere Verschlusszeit und eine bisschen größere Blende gewählt. Das hat mir annähernd 3 Belichtungsstufen mehr Umgebungslicht ermöglicht. Und das zeigt es: Das Bild auf der linken Seite sieht so viel besser aus… Die gleiche Möglichkeit, die gleiche Szene, das gleiche Objekt, aber grundverschiedene Resultate.

Der grundliegende Unterschied ist, dass ich meine Einstellungen selbst gewählt habe. Ich arbeite nur im manuellen Modus, folglich entscheide ICH, wie die Resultate aussehen werden. Weil der andere Fotograf im Programmodus geschossen hat, hat er der Kamera erlaubt die Entscheidungen zu treffen und die Kamera hat eine zu schnelle Verschlusszeit gewählt. Ich wollte das Umgebungslicht mit einbeziehen und habe die Blende und Verschlusszeit so gewählt, dass ich anhand meines kamerainternen Belichtungsmessers erkennen konnte, dass das Umgebungslicht mit registriert wird.

Auch wenn die Arten von Blitzgeräten bei diesen beiden Fotos unterschiedlich waren, die Bildstimmung ist fast gänzlich davon abhängig, dass ich das Umgebungslicht mit bedacht (via meines Kameramessystems) und bewusst meine Verschlusszeit dementsprechend eingestellt habe. Nur nebenbei, ich habe einen Quantum-Q in einen Reflektorschirm hinter mir gebounct und der andere Fotograf hat einen Systemblitz auf der Kamera benutzt.

Diese Technik, bei der durch eine längere Verschlusszeit mehr Umgebungslicht eingefangen wird, nennt man gewöhnlich ‘die Verschlusszeit ziehen’. Dabei nutzt man den kamerainternen Belichtungsmesser wie man ihn normalerweise auch benutzen würde….

… aber anstatt in zu nutzen, um die Belichtung korrekt einzustellen, dient er als Anhaltspunkt dafür, wieviel Umgebungslicht man gerne einfangen möchte. Mit etwa um 1,5 bis 2 Blenden Unterbelichtung bekommt man immernoch genug Details im Hintergrund eingefangen. Und dann kommt der Blitz als Hauptlichtquelle dazu, und dessen Licht sorgt für die richtige Belichtung des Hauptobjekts.

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Ein weiteres Beispiel:

Wieder sehen die beiden Fotos ziemlich unterschiedlich aus. Am Hautton gemessen sind beide Belichtungen an sich korrekt. Der Unterschied liegt darin, wie beim zweiten Foto das Umgebungslicht mit eingebunden wurde.

Einstellungen des ersten Fotos: 1/50th @ f5 @ 500 iso

Einstellungen des zweiten Fotos: 1/20th @ f4 @ 500 iso

Ich möchte hier hervorheben, dass beide Fotos nicht in Photoshop manipuliert wurden, sondern lediglich ein Weißabgleich in Adobe Camera RAW erfolgt ist. Somit ist das das Resultat, welches gleich aus der Kamera kommt, wenn man seine Einstellungen mit etwas Überlegung wählt.

Indem ich die Verschlusszeit etwas verlängert und die Blende ein bisschen geöffnet habe, habe ich mehr Umgebungslicht einwirken lassen. Es war auch hilfreich, dass er in einem Bereich stand, der ein bisschen dunkler als der Hintergrund war. Das ermöglichte mir eine längere Verschlusszeit ohne wahrnehmbare Verwackelung im Hintergrund. (In beiden Bildern habe ich den Blitz nach oben und über meine Schulter geschickt)

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Spezielle Einstellungen:

Ich habe einige Fotografen den Rat geben gesehen “fotografier bei 1/8 Sek. @ f5.6″.. aber dieser Rat zu exakten Einstellungen ist irreführend, da jede Situation unterschiedlich ist.

Die tatsächliche Verschlusszeit hängt immer von den Umständen und dem Effekt, den man erzielen möchte ab,

- und der Menge an Umgebungslicht, das verfügbar ist,

- und ob man ein Stativ hat,

- oder ob man in der Lage ist, mit einer ruhigen Hand bei langen Verschlusszeiten zu fotografieren,

- und der gewählten Blendenöffnung,

- und ob man die ISO hochstellen kann, um mehr Umgebungslicht einzufangen,

- und wieviel das Objekt sich bewegen wird oder man gewillt ist, zu akzeptieren.

Es gibt eine Reihe von miteinander verbundenen Faktoren, die man ausgleichen muss, abhängig vom Szenario. Am Ende sieht ein Foto mit durch die Verschlusszeit ausbalanciertem Blitz und Umgebungslicht so viel besser aus, verglichen mit einem Foto bei dem das Blitzlicht komplett dominiert.

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Bewegung hinzufügen:

Hier ist ein Beispiel, bei dem ich die Verschlusszeit nicht nur gezogen habe, um mehr Umgebungslicht einzufangen, sondern auch beabsichtigt während der Belichtung gezoomt habe, um eine Art Bewegung zu bekommen:

Spezielle Einstellungen: Nikon D2H; Nikon 17-35mm f2.8

1/15th @ f4 @ 800 iso / manual; matrix metering / TTL flash: -1 exp comp

Verschlusszeit, Blende und ISO waren speziell gewählt, um die Straßenszene mit in dem Bild einzufangen. Ich hatte Glück, dass das Paar sich in einem dunkleren Bereich befand und so größtenteils vom Blitz aufgehellt wurde. Als ich den Auslöser drückte, habe ich zusätzlich gezoomt, um diese Streifen von Licht, die auf das Paar zulaufen, zu bekommen.

Da sie nicht formatfüllend positioniert waren, konnte ich mich nicht auf die TTL-Messung des Blitzes verlassen, um eine korrekte Belichtung zu bekommen. Also habe ich mit der Blitzkompensierung die Leistung heruntergesetzt.

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1. Wenn man einen Blitz zum Umgebungslicht hinzufügt, belichtet man das Objekt nicht über?

Sehr allgemien gesprochen, gibt es zwei Hauptszenarios (mit jeder möglichen Kombination dazwischen):

Im ersten Szenario ist der Hintergrund heller als das Objekt und man stellt die Belichtung so ein, dass der Hintergrund nahezu korrekt belichtet wird. Da das Objekt dunkler als der Hintergrund ist, würde es unterbelichtet bleiben. Dann benutzt man den Blitz, um das Objekt richtig zu belichten. Das wäre das einfachste Szenario.

Was man aber wohl meistens antreffen wird, ist dass eine dunkle Lichtsituation mit dem Umgebungslicht und dem Objekt in nahezu gleichem Lichtverhältnis. Man würde die gleiche Belichtung benötigen. Was man hierbei macht, ist bewusst den Hintergrund unterzubelichten – um 1,5 bis 2 Blenden – damit das Umgebungslicht registriert wird, aber nicht dominiert. Da das Objekt unterbelichtet wäre, benutzt man das Blitzlicht, um es korrekt zu belichten.

Indem man einen Blitz hinzufügt, würde man niemals das Objekt überbelichten, weil man das Umgebungslicht herunternimmt. Es gibt eine Menge verschiedener Lichtsituationen, aber diese beiden decken die Grundlagen gut ab.

2. Wie geht man mit einer langen Verschlusszeit um?

Ich werde oft gefragt, warum die hier gezeigten Bilder mit einer langen Verschlusszeit trotzdem scharf sind.

Der Grund, warum man bei den Bildern keine (nennenswerte) Verwackelung sieht, ist weil ich versuche meine Kamera ruhig zu halten. Aber es ist mehr als das…

Das Foto vom Pianisten (und ein anderes Foto auf einer der folgenden Seiten) beinhalten mit Sicherheit ein Maß an Verwackelung. ABER, die befindet sich in Bereichen, die unwichtig sind – im Hintergrund, den Stadtlichtern. Sie ist ausserdem in der Unschärfe, aufgrund der geringen Schärfentiefe.

Das den Gehweg entlanglaufende Paar lag im Schatten und der Pianist lag im Schatten. Ohne Blitz wären sie nur Silhouetten/schwarz. Das Testbild des Pianisten zeigt dies deutlich.

Deshalb friert der Blitz eine Kameraverwackelung ein, weil das verfügbare Licht, das auf das Objekt fällt zu wenig ist. Man kann einfach keine Verwackelung ausmachen. Ein Blitz ist eine nur momentane Lichtexplosion, die jede Bewegung/Verwackelung einfriert.

Und darum sieht man keine Kameraverwackelung.. auch wenn sie wahrscheinlich zu einem gewissen Grad im Hintergrund existiert.

[update: Feb 29, 2008]

Auf dieser Seite ist das alles noch einmal mehr im Detail diskutiert.

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Blitz bouncen …

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Autor:  Neil van Niekerk
Übersetzung: Michael Krause

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Ausbalancieren von Blitz und Umgebungslicht — Tangents - die deutsche Übersetzung
April 10, 2010 at 7:51 am

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